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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 301

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 301 (sequence 11)
Language
German
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301 ,,Der unter dem Schirme des Allmächtigen Lebende bringt die Nacht unter dem Schatten des Allmächtigen hin“. Aber התלונן bedeutet nur Aufenthalt (Hiob 3928), nicht die Nacht verbringen, und selbst לון wird, wo das Uebernachten wesentlich ist, durch הלילה ergänzt (Gen 3222, Num 228, Jos 42, 89, II Sam 176, Ruth 33). Ferner: (V. 3) ,,So rettet er dich . . .“ — aber da müßte es heißen: אזי oder והוא יצילך — nicht כי. — (V. 11) ,,Er wird seinen Geistern Befehl geben“ für מלאכיו. Unrichtig ist auch V. 13: ,,Auf ,Schlange" und Otter wirst du treten“, denn שחל, Löwen, sei im Hinblick auf die zweite Satzhälfte ,,überflüssig“ — während gerade dieser Parallelismus zum guten Stil gehört (Prov 2613, Hiob 410). Daß zu V. 6 LXX mit xal daifioviou f1£<r7]nßp1v01> 150 ושד צהרים n. Chr.1 einen ,,bösen Geist“ in den Text hineinliest, kann nicht gegen die gute Ueberlieferung des MT ישוד Zeugnis ablegen. Man weiß, daß die LXX kein feines Verständnis für den höheren Stil besitzt und in der Ueber- Setzung von der Volkssprache und den Vorstellungen ihrer Zeit beeinflußt wird. Ebenso ist es weit hergeholt und wirklich nur eine Verschwendung kombinatorischen Geistes, wenn V. 14 ,,Ich werde ihn bewahren, denn er kennt meinen Namen“ als ein Orakel ,,in direkter Beziehung zur magischen Kunst“ erklärt wird (S. 26). Statt immer eine Vergröberung durch abergläubische Vorstellungen zu suchen und bis zum ,,Volksglauben der palästinensischen Araber der Gegenwart“ (!) zur Erklärung psalmistischer Ideen herabzusteigen, sollte man sich doch eher nach dichterischen Parallelen bei den besten Autoren des Altertums umsehen. Wenn Hesiod im achten vorchr. Jahrh. (נ/Epya xac tHpipa1) 279—281) sagen darf: ,,Dem Menschen hat Gott die Gerechtigkeit gegeben zu seinem . höchsten Wohle. Wenn jemand sich entschließt, das Gerechte, es wohl kennend (yiyvcooxcov'), zu sprechen, so gewährt ihm Glück der weit in die Welt schauende Zeus“, so darf doch wohl — sollte man meinen — etwa um dieselbe Zeit im Volke, das Moses und Jesaja her vorgebracht hat, ein Psalmist sagen: צנה וסוחרה אמתו — אשגבהו כי ידע שמי; ohne daß man statt des Erhabenen und sittlich Schönen dahinter irgendeinen albernen Priesterritus oder eine magische Bauernplattheit suchen muß. Wir haben uns bei diesem Psalm aufgehalten, da die Methode der Deutung für eine gewisse Schule typisch ist2. Es sei noch kurz erwähnt, daß in ähnlicher Weise zu Ps 141Q7־ — einer allerdings etwas dunklen Stelle — eine geistreiche Kombination versucht wird, die aber leider der kritischen Prüfung nicht standhält. Nach Mischna 1 Diese Datierung der griech. Uebersetzung (S. 17) ist ungefähr richtig; aber dann sollte der Yerf. doch nicht S. 1 sagen: ,,Es ist erwiesen, daß der Psalter allmählich . . . entstanden ist . . . bis in die Zeit des Makkabäeraufs tan des“. Wenn um diese Zeit in Alexandrien bereits die griech. Ueber- Setzung vorlag, konnten in Palästina doch schwerlich neue Psalmen hinzukommen und in den Kanon gelangen! 2 Ich selbst habe a. a. St. Ps 91 in Verbindung mit dem vorhergehenden als eine an die Ueberlieferung von Moses, dem Manne Gottes, anknüpfende und sein Vorbild benutzende Glorifikation des wahrhaft Frommen erkLärt. V. 4 באבדתו יסך לד bezieht sich auf Ex 3322 ושכחי כפי; V. 14 כי ידע שמי auf Ex 3312 ידעתיך בשם (auf Gott angewendet!).

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