Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 300 (sequence 10)
- Language
- German
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(Ps 51ö) oder: ,,eine Natter, die auf des Zauberers Stimme und die des kundigen Beschwörers nicht hört“ (586). Aber vollkommen unhaltbar ist die Vorstellung, daß ganze Psalmen oder auch nur Teile von ihnen sich — wenn auch erst nach Entfernung angeblicher redaktioneller Korrekturen — als allen religiös-sittlichen Inhaltes bar und als magische Formeln erweisen, die vom Glauben an den einig-einzigen, Magie und Zauberwesen ausschaltenden Gott (Exod 2219, Num 2323, I Sam 1523) völlig losgelöst sind. Der Vergleich mit dem alten Christentum stimmt nicht. Dieses verbreitete sich, je weiter es vordrang, zum großen Teil nur als Symbol-Religion unter großen heidnischen Volksmassen, beschränkte sich auf den formellen Bekenntniserfolg und hatte nichts gegen die sonstige Beibehaltung der nationalen heidnischen Sitten und Gebräuche einzuwenden. Die Propheten und Psalmisten aber verabscheuten allen Aberglauben und alle Wahnvorstellungen, warnten eindringlich vor dieser Torheit der Völker (Jer 102, Ps 7325). Die von ihnen verfaßten Teile des AT, die jedenfalls von gleichgesinnten und einer philosophischen Weltreligion dienenden Sammlern redigiert sind, haben sicherlich keine Stücke aufgenommen, die eine Litanei des von ihnen verachteten niederen Volksglaubens enthielten (wenn auch ihre Stilistik sich der geläufigen Bilder und Redewendungen bedienen mochte). Dies ist aber nicht nur von vornherein als feststehend zu betrachten. Eine Nachprüfung im einzelnen zeigt, wie wenig stichhaltig die Annahme Mowinckels und Nicolskys ist. Nehmen wir den von diesem vorangestellten Ps 91,. dessen ,,magischer Charakter“ Nie. ,,sehr klär“ erscheint (daß man ihn in späteren Zeiten in Amuletten benutzte, beweist natürlich nichts). Babylonisch-persische Beschwörungsformeln kennen wir auch aus dem Talmud, Da sind die Worte in niederem Stil, vulgär, mitunter absichtlich dunkel und verworren gefaßt und nirgends gemütvoll, zart, wahrhaft dichterisch, mit edlem Schwünge und so kunstvoll ausgedrückt, wie in unserem Gedicht. Dieses kann nur das Werk eines sehr großen, abgeklärten Philosophen sein, der auf den Höhen des Lebens schreitet, eine ethische Wahrheit kennt, zu der der Mensch wie auf Flügeln erhoben werden muß, um Schild und Panzer gegen alle Lebensgefahren zu finden. In Beschwörungsformeln wird ferner nur sachlich die Entfernung eines gewissen konkreten Unheils besprochen oder angedeutet, niemals aber in dichterischen Bildern die Fürsorge des Allmächtigen gezeichnet und in Worten, die dem naiven Menschen aus dem Volke nur Kopfschütteln verursachen würden, hinzugefügt: ,,seine Engel wird er entbieten . . . auf ihren Schwingen werden sie dich tragen, daß dein Fuß an keinen Stein sich stoße“. Nie. meint, V. 1—13 sei nichts als eine Erläuterung der magischen Bedeutung der ,,Formel“: ,,(Jhw,) meine Zufluchtsstätte und meine Festung, mein Gott — ich vertraue auf ihn“; wer diese Formel ausspricht, schließt sich gewissermaßen durch einen magischen Kreis ab und befindet sich in einer Festung, in deren Bereich keine Einwirkungen böser Geister eindringen können (also gerade das, was Jes 2913 am schärfsten geißelt!). Er macht dabei Gunkel den Vorwurf, daß er diese׳ ,,spezifischen Züge“ des Psalmes •־nicht ׳ erkannt; hat.-־ Um sie hervoxzukehren./•hilft er in der Uebersetzung ein wenig nach;: