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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 293

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 293 (sequence 3)
Language
German
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in Schillers ,,Lied von der Glocke“. Den Argumenten Königs kann noch hinzugefügt werden, daß dieselbe Gegenüberstellung von Natur und Lehre Gottes (beide ״sein Wort“) in Ps 14715-19 gegeben ist. II. ,,Die Einzigartigkeit des speziell an Israel enthüllten Gottes“, Ps 95—98 (nicht einbezogen ist Ps 99, der in eine besondere Gruppe der ,,Begründung des Gottesreiches“ verlegt wird). Eine zügellose Phantasie mancher modernen Erklärer hat diese und verwandte Psalmen in einem Sinne gedeutet, der in schroffem Gegensatz zu dem steht, was wir am sichersten von der Religion im alten Israel wissen. M owi nckel hat in seinen ,,Psalmenstudien“ auf Grund willkürlicher Vermutungen und einer gänzlichen Verkennung des Charakters poetischer Bilder die Behauptung aufgestellt, in den Psalmen sei eine ,,Thronbesteigung Jhws“ nach der Art des babylonischen Gottes Mard.uk geschildert, Jhw erscheine, in ein Festkleid gehüllt, mit königlichem Gürtel umschnallt; unter dem Schall der Posaunen ziehe er zu seiner Königsburg und ,,wie er nun dasitzt in aller seiner Pracht,“ bricht der Jubel mit Händeklatschen, Gesang und Saitenspiel aus, König (S. 230—231) bezeichnet das als ,,naive oder frivole Ent- Stellung“, wenn auch Gunkel bei Ps 47 davon als von einer einleuchtenden Vermutung spricht. ,,Zu der Annahme, daß der Ritus des babylonischen Neujahrsfestes, wo Marduk auf der großen Prozessionsstraße dahingeführt wurde ... im Kultus Israels Nachahmung gefunden habe, besitzen wir nicht nur keinen tatsächlichen, sondern auch nicht einmal einen Wahrscheinlichkeitsgrund.“ Es hätte in diesem Falle doch mindestens ein Götterbild herumgetragen werden müssen, und Geschichtsschreiber und Propheten hätten nicht unterlassen, diesen Götzendienst zu geißeln; am wenigsten hätte -er in den Psalmen einen Niederschlag gefunden. III. ,,Gedichte von Gottes Erhabenheit über die Schranken der Zeit, des Raumes, sowie über alle außer ihm liegenden Hemmnisse“, Ps 90, Ps 139, Ps 115. Die mosaische Herkunft des ,,Gebetes“ 90 wird, unter gleichzeitiger Ablehnung aller Konjekturen, mit Entschiedenheit verteidigt. Einer der stärksten Einwände gegen die Echtheit* die Angabe über das menschliche Lebensalter V. 10, wird (S. 122) geistreich, aber nicht überzeugend dadurch ,widerlegt, daß der masoretische senkrechte Strich (Paseq) nach ימי שנותינו als beabsichtigte Unterbrechung des Satzes gedeutet wird; da Moses nicht von seiner außergewöhnlichen Lebensdauer, sondern von der seiner Zeitgenossen sprechen will, geht er •von der ersten zur dritten Person über: ,,bei ihnen sind es siebzig Jahre“. רהב soll ,,der Gegenstand des Stolzes von Moses Zeitgenossen“, die Sendung von Fleisch und Manna sein! Hier kann man dem Verf. nicht folgen. Wären die legendären Wunder der Urzeit vom Dichter persönlich erlebt worden, so würde er von ihnen ganz anders als von רהב (was eher Hochmut ist) sprechen und diesen auch nicht als Mühsal und Unglück bezeichnen. Es ist aber auch im• ganzen Gedicht nichts enthalten, was auf die Wüste, die Wanderung und die besonderen Erlebnisse Israels weist, die Gemeinde oder das Volk sind als solche nicht einmal angedeutet; nur die Stimmung eines großen Dichters wird ausgedrückt, der Gottes Gnade wie ein Morgenlicht in der Nacht des kummervollen Erdendaseins erfleht1. IV. ,,Hymnen auf den erhabenen S c h.ö p f e r der Welt und souveränen Beherrscher der Natur“, Ps 8 und 104; 29; 65 und 67; 93. Unbegreiflich ist, daß ein Erklärer, der die Tradition des MT sonst stets hochhält, in Ps 104^ der von B ae thgen und nach ihm von Gunkel vorgeschlagenen Tilgung der Anrufung 0״ Ewiger“ (Dittogräphie) zustimmen kann, obwohl sie.von LXX und.Targum bezeugt ist und ebenso wie Jes 25 eine gerade für einen feierlichen Hymnus passende Einleitung bildet. Die Anrufung אלדד Vkommt außerdem in den Psalmen noch, zehn- .mal vor: Ps 72, 74, 134, 303, 3013, 3524, 38ls, 406 (hier bei einen! mit Ps 104 ganz übereinstimmenden Gedanken: ,,Großes hast Du erschaffen, ,nur Du, 1 Vgl. MGWJ 1927, 291 und Encyc. Jud. IV 621, wo Ps 90 mit Beziehung auf Moses’ Vision Ex 33l3-34 erklärt wird.

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