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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 292

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 292 (sequence 2)
Language
German
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292 sind und den wirklichen Inhalt des Gedichtes das Vertrauen auf Gottes Schutz bildet. Daraus folgt dann, daß in V. 6 der Nachdruck auf יתפלל liegt. ,,Darum (weil vor Gott ein reines Gewissen zu haben das Wichtigste ist) betet zu Dir der Fromme bei jeder Schicksals- Wendung, die herankommt (עת wie Kohel 912; מצוא wie Ps 219), so daß (רק mit einer Negation ist mitunter: so daß, wie Num 2019: ,,so daß nichts geschehen wird“, ebenso II Chr 2934) selbst beim Fluten der mächtigsten Gewässer, sie ihn nicht treffen“ (vergl. genau den gleichen Gedankengang Ps 6914-16 ואני תפלתי 4 4 ♦ אל תשטפני שבלת מים). Dieses Beispiel, oder etwa die klar liegenden Gründe für eine zusammenhängende Behandlung der ,,Schire ha-mafaloth“, die bei König zerstreut sind (Ps 120 auf S. 397 zwischen Ps 64 und 140; Ps 121 auf S. 198 zwischen 117 und 127 u. s. 1), zeigen die Nachteile und unwillkürlichen Sinn Verschiebungen, die mit einer Neugruppierung verbunden sind. Hält man sich an die überlieferte Reihenfolge, so findet man in ihr mitunter Winke dafür, wie der Geist des einen oder des anderen Gedichtes in der ältesten Zeit auf gef aßt wurde. Aber als Prinzip muß wohl gelten, wie auch sonst in der Lyrik, daß jedes einzelne Gedicht für sich allein zu erschließen ist. Dies hat für die Psalmen schon der Kirchenvater Hilarius von Poitiers mit tiefem Verständnis bemerkt, der in der Vorrede zu seinem Kommentar sagt: ,,Das ganze Buch gleicht einer schönen und großen Stadt, welche viele und verschiedene Häuser hat, deren Türen mit besonderen und verschiedenen Schlüsseln geschlossen werden; würde man diese zusammenhäufen und untereinander werfen, so würde es sehr schwer sein, den Schlüssel zu jedem Hause zu finden . . . weil das Verhältnis und die Beschaffenheit es nicht gestattet, daß man unrichtige Schlüssel zu verschiedenen Schlössern gebrauche1“. Es muß übrigens mit Bezug auf den vorliegenden Kommentar, der mit großer Sorgfalt nach dem Stande der Wissenschaft das Beste bietet, hinzugefügt werden, daß die gewählte Einteilung keineswegs den praktischen Gebrauch des Buches erschwert, da ein genaues Standort-Verzeichnis am Schlüsse die sofortige Auffindung eines jeden Psalms ermöglicht. Hier seien die Gruppen, die der Verfasser unterscheidet, angeführt und einige Bemerkungen über Auffassung und Erklärung einer Anzahl von Psalmen beigefügt. . . I. ,,Die doppelte Manifestation, durch welche die Verbindung Gottes mit den Menschen begründet worden ist, besitzt ihr Echo in Ps 19.“ — Im Gegensatz zu manchen Neueren, die hier von einem ״Sonnenhymnus“ oder ״Sonnenmythus“ sprechen, hebt K. mit Recht hervor, daß hier vielmehr ein Hymnus auf den Schöpfer der Sonne vorliegt, und daß wir kein Recht haben, die von der prophetischen Religion gelöste Verbindung mit der Mythologie wieder anzuknüpfen; die Auslegung des A. T. mag durch solche Verknüpfung interessanter erscheinen, sie wird dadurch aber nicht richtiger. Ebenso wird (wie schon von Budde) der sonderbare Einfall zurückgewiesen, daß im Psalm von ״Jhws Hochzeit mit der Sonne“ die Rede sei und im Gegensatz zur Theorie von zwei unabhängigen Fragmenten im Gedichte (Kittel, Gunkel) die ideelle Einheit desselben in einem synthetischen Parallelismus vertreten, wofür der Wechsel des Rhythmus (V. 85!־) ebensowenig ein Hindernis ist, wie die Verschiedenheit der Verse 1 Hilarii Pictaviensis opp., PatroL lat. ed. Migne, IX 247.

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