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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 291

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Neueste Literatur zu den Hagiographen [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 291 (sequence 1)
Language
German
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291 Neueste Literatur zu den Hagiographen. Zweiter Bericht1. Von A. Kaminka in Wien. Mit viel Liebe zur religiösen hebräischen Dichtung, mit einer gegenüber der radikalen Textkritik wohltuenden Ehrfurcht vor der Ueberlieferung und mit gewissenhafter Berücksichtigung und Nachprüfung aller von den Vorgängern gebotenen Forschungsergebnisse versucht Ed. König in seinem Psalmenkommentar2 den Psalter als das umfassendste ,,Spiegelbild des religiösen, gottesdienstlichen, sittlichen Gedankengehaltes“ der althebräischen Literatur zur Anschauung zu bringen. Zu diesem Zwecke führt er bei der Anordnung der zu erklärenden Gesänge technisch eine Neuerung ein, die sich in mancher Beziehung als nützlich erweist. Er ordnet die Psalmen nach ihrem (von ihm erschlossenen) Inhalte in Gruppen und verzichtet im Kommentar auf die überlieferte Reihenfolge, um dafür dem Leser die Gelegenheit zu bieten, z. B, ,,alle Hymnen auf den lebendigen Gott, alle Schöpfungspsalmen, alle Gedichte von der Gründung des speziellen Gottesreiches, alle für die verschiedenen Feste und Tageszeiten bestimmten Lieder, alle messianischen Hoffnungsergüsse“ usw. nebeneinander zu lesen. Das Prinzip dieser Anordnung scheint unter Einfluß von G u n k e 1 s Theorie der Liedergattungen im Psalter gewählt zu sein, wenn auch hier nicht dichterische oder kulturhistorische, sondern rein religiöse Kriterien verwendet werden. Die Einteilung hat praktisch für sich, daß verwandte Gedanken und stilistische Parallelen nebeneinander treten und leichter verglichen werden können. Aber Parallelen sind nicht immer in ganzen Liedern, sondern häufiger in einzelnen Strophen oder Sätzen und mitunter auch in solchen Psalmen zu finden, die ihrem Hauptinhalte nach nicht zur selben Kategorie gehören. Das ist jedoch nicht der einzige Einwand gegen die vorliegende Neueinteilung. Man muß gegen sie auch unter exegetischen Gesichtspunkten geltend machen, daß für ein lyrisches Gedicht Zeit und Umstände, Erlebnis, Gemütsbewegung, Impuls zur Niederschrift, Reife der Gedanken und Beherrschung der Form von solcher Wichtigkeit sind, daß die Aneinanderreihung weit auseinander liegender Stücke lediglich nach dem Inhalt die ästhetische und literarische Beurteilung der einzelnen Lieder leicht auf Abwege führt. Dazu kommt, daß bei der Feststellung des Inhalts oft Vorsicht geboten ist. So kann es z. B. nicht zweifelhaft sein, daß Ps 33 ,,Jauchzet, ihr Gerechten“ als Fortsetzung der Gedanken des Ps 32 והרנינו כל ישרי לב zu verstehen ist. Bei König steht Ps 33 auf S. 179 in der Gruppe ,,Gott als Erhalter und Regent der Welt“ und Ps 32 auf S. 624 in der Gruppe der ,,Bußpsalmen“. Aber der wahre Gedankengang des scheinbaren ,,Bußpsalms“ 32 wird richtiger durch den von 33 beleuchtet, insofern nämlich die reumütigen Sätze V. 1—5 nur eine Einleitung 1 S. Jahrg. 71, 289—306. 2 Die Psalmen, eingeleitet, übersetzt und erklärt von Ed. König, Gütersloh 1927, Verlag G. Bertelsmann, VIII + 686 S. 19*

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