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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 286

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Eine kabbalistische Erklärung der Prophetie als Selbstbegegnung
Date
1930-01-01
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 Dies Zelem wird auch im Sohar deutlich als die reine Wesensgestalt, als das Selbst des Menschen beschrieben. Es kann daher nicht Wunder nehmen, wenn andere, offenbar dem Sohar gleichaltrige, aber in exakteren Begriffen denkende Mystiker-Konventikel statt des Ausdrucks Zelem geradezu den Ausdruck Selbst עצם gebrauchen. Daß beide Termini dieselbe Sache meinen, war auch den Kabbalisten, wie ich unten aus Mose Cordoveros Hinweis zeigen werde, durchaus klar. Es ist mir nun gelungen, in einem von den Forschern viel zu wenig beachteten, obwohl gedruckt vorliegenden, alten kabbalistischen Sammelwerk einige höchst bemerkenswerte und mir sonst aus keiner anderen Stelle der kabbalistischen Literatur bekannte Ausführungen über den okkulten Charakter der Prophetie als Wahrnehmung eben dieses Selbst zu finden. Die Stelle steht in dem 1509 von Rabbi Mose ben Jaalcob aus Kiew verfaßten Sammelwerk Schuschan ssodoth* 1, und zwar Blatt 69b des einzigen Druckes Koretz 1788. Es war a priori anzunehmen, daß dies Stück aus alten Quellen exzerpiert ist, aber infolge eines glücklichen Fundes, den ich seinerzeit in einer Jerusalemer Handschrift gemacht habe und über den ich an anderer Stelle schon berichtet habe2, läßt sich mit Sicherheit sagen, daß das eine dieser Exzerpte von einem Schüler des berühmten Ekstatikers Abraham Abulafia geschrieben ist. Das hier erwähnte Buch שעדי צדק nämlich, das nichts mit dem gleichnamigen Werke Josef Gikatilias (eines anderen Schülers Abulafias) zu tun hat, findet sich jetzt in einer alten Pergamenthandschrift der Jerusalemer National- und Universitätsbibliothek sowie in einer Leidener Hs.3 ln der letzteren aber fehlt gerade das große autobiographische Stück, in dem die hier angeführte Lichtvision genau geschildert wird. Die Kabbalisten sind keine Freunde ekstatischer Konfessionen, und Berichte über solche Erlebnisse gehören zum seltensten in der großen kabbalistischen Literatur, ja, offensichtlich wurde auch jener Bericht des anonymen Abulafia-Schülers über seine Erlebnisse von den Kabbalisten als Grenzüberschreitung empfunden und daher in den Handschriften nach Möglichkeit getilgt4. der individuelle und auf das Leben zwischen Geburt und Tod beschränkte Charakter des Zelem her vorg־eh oben wird, schafft von selbst diese Verbindung. Das Zelem kommt vom Himmel herab und kehrt dorthin zurück, ja, könnte der Mensch geistig schauen, so würde er in der Stunde der Zeugung jenes Zelem (nicht sein eigenes natürlich, sondern das von oben herabkommende seines Kindes) über seinem Haupt als menschliche Gestalt כפרצופא דבר נש wahrnehmen. 1 Vgl. über R. Mose aus Kiew Abr. Epstein in האשכול I (1898) S. 146—150. 2 In Kirjath Sefer I (1924) S. 127—139. 3 Diese letztere Hs. (Warner 242) war mir, als ich meinen Aufsatz in Kirjath *Sefer schrieb, noch nicht bekannt, und durch sie: ändert sich das Resultat der dortigen Untersuchung insofern, als das Buch zwar in der Tat in Palästina, aber nicht in Safed, sondern (1289 oder 1294) In Hebron verfaßt wurde. Steinschneiders Zweifel an der Echtheit dieser Angabe za teilen, sehe ich keinen Grund. Eine noch unbekannte Hs. dieses Textes habe ich 1927 in der Hs. Gaster 954 im Brit. Museum gefunden (foL 9—22) und auch dort stimmt das Datum mit der Leidener Hs. überein. 4 Auch in der Hs. Gaster fehlt dieses Stück. Mit dieser Selbstzensur der Kabbalisten hängt es ja auch zusammen, daß keine einzige der Schriften. Abulafias durch di^ Kabbalisten zum Druck gelangt ist.

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