Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Erforschung des Jelamdenu-Problems
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 5)
- Language
- German
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270 Das eigentliche Thema der Homilie ist die Lehre von der Gottesliebe, ־welche an drei Beispielen erläutert wird; und um die Lehre deutlicher zu machen, wird der Gegensatz zwischen der göttlichen und der menschlichen Liebe hervorgehoben. Gottes Liebe erstreckt sich auf alle Zeiten, die des Menschen ist begrenzt. Gott liebt Reich und Arm in gleicher Weise, der Mensch liebt den Armen weniger als den Reichen. Gottes Liebe umfaßt alle Geschöpfe, sogar das Tier1. Gottes Liebe ist allumfassend, unparteiisch und ewig. Diese Beispiele werden mit דבר אחר eingeführt und erweisen sich als Beispiele für den berufsmäßigen Prediger, welcher gewiß nur das eine oder das andere in seiner Predigt benutzte. Der Prediger schließt mit מנין ממה שקראו בערן, oder dergl. Diese Form der Predigt ist viel entwickelter als die anderen, etwa die Homilien, die mit בתר,בתה oder זש״ה beginnen, welche zeitlich• wie auch der Form nach, aber auch ihrem Zwecke entsprechend von den Jelamdenühomilien zu unterscheiden sind. Es wäre nicht angebracht, hier die Geschichte und die Formen der midraschischen Homiletik darzustellen; es genügt für unseren Zweck den Beweis erbracht zu haben, daß die Jelamdenuform jünger ist als die anderen oben erwähnten Formen. Wir dürfen daher im Jelamdenu eine Predigtensammlung des siebenten oder achten Jahrhunderts sehen. In Palästina sammelte man Jelamdenühomilien, in Babylonien hingegen Scheiltoth, wie Kaminka richtig erkannt hat2. In den Jelamdenühomilien lassen sich mit Bestimmtheit zwei besonders bezeichnete Merkmale (stilistischer Art) erkennen. Erstens: der Gottesname wird mit Elohim wiedergegeben. Zweitens: jede Homilie schließt mit מה שקרינו בעניין oder dergl. Diese zwei Merkmale stehen fest. Es gibt noch andere, die. wir erst später untersuchen werden. Dank dieser Merkmale können wir neue Aufschlüsse über Umfang und Beschaffenheit des Midrasch gewinnen. Hier genügt es, unser Augenmerk auf Exodus und Numeri rabba zu richten. Exodus rabba enthält eine ganze Anzahl von Homilien oder Fragmenten von Homilien, deren Zugehörigkeit zum Jelamdenu festgestellt werden kann. In seiner gegenwärtigen Gestalt ist Exodus rabba einer der jüngsten Midraschim. Der Redaktor hat verschiedene Quellen benutzt, welche teilweise verlorengegangen sind, wie das im Anhänge veröffentlichte Genizafragment (I) deutlich zeigt. Ein beträchtlicher Teil stammt aus dem Jelamdenu. Die Plomilien dieses Teiles kann man einmal an dem Gebrauch des Gottesnamens, zum anderen dank der Genizafragmente erkennen3. Ex. r. 1, 8 וימת יוסף וכל אחיו וכד ללמדך כלומן שהיה אחד מהם קיים מאותן שירדו וכר. אע״פ שמת יוסף ואחיו אלהיהם לא מת. Der Satz ist dem Seder Olam, c. 3 entlehnt, jedoch heißt es dort, daß solange Le vi 1 Vgl. Deut. r. 6, 1 Midr., Tanh. ed. S. 252 (die Liebe Gottes zum Tier), Gott liebt die Armen und Bedrückten, z. B. Lev. r. 32, 1, vgl. auch Ex. r. 12, 3. Die Vorstellung von der Gottesliebe in der rabbinischen Theologie bedarf und ist einer gründlichen Monographie wert. 2 Siehe Schwarz, Festschrift (Wien 1917), 437—453. Dafür, daß die Form der Scheiltoth bis ins zweite Jahrhundert zurückgeht, hat Kaminka m. E. keinen Beweis geliefert. 3 Siehe besonders Fragment Oxford II, im Anhang.