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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 268

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Zur Erforschung des Jelamdenu-Problems
Date
1930-01-01
Page
Seite 268 (sequence 3)
Language
German
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268 an Stelle von griechischen und aramäischen zu setzen, ist eher ein Zeichen der Jugend als des Alters. Uebrigens ist es nur Zufall, daß die Fragmente so wenig Aramäisches und Griechisches bieten, ebenso wie die Seltenheit der amoräischen Agadisten zufällig ist. Neue Funde, die den Text nicht in lückenhafter Form erhalten haben, dürften das Gegenteil bezeugen. Ich gebe im Anhang einen Midrasch zu Exodus, der bezeugt, daß der Kompilator die elfte Homilie des sogenannten ילמדנו. הקדמון in voller Form, nicht gekürzt, vor sich gehabt hat. Der Ausdruck ילושה ist nicht nur den Karäem, sondern auch den Gaonim in dieser Bedeutung geläufig1. Aber nicht nur der eigentümliche Gebrauch des Gottesnamens im Jelamdenu bezeugt den späten Ursprung der Sammlung. Ein formgeschichtlicher Beweis führt zum gleichen Ergebnis. Die formgeschichtliche Methode, welche von Philologen und Theologen heute allgemein anerkannt und benutzt wird, ist bisher auf unserem Gebiet nicht üblich gewesen. Norden hat in seinem Buche Agnostos Theos (1913, 2. Aufl. 1923) auf die Notwendigkeit und Nützlichkeit hingewiesen, die Formen der religiösen Rede zu untersuchen. Wo ist diese Methode mehr am Platze und lehrreicher als in der rabbinischen Literatur? Daß sich in der halachischen Kodifikation und Diskussion bestimmte Formen entwickelt und ausgeprägt haben, wurde bereits von den alten Erklärem und Methodologen scharf und vielfach beobachtet. Daß es auch in der Agada der Fall ist, läßt sich leicht beweisen. Es lassen sich bestimmte Gruppen der rein religiösen Vortragsweise erkennen. Diese Formen eignen auch den Jelamdenustücken in den Midraschim. Es wäre vergebens, diese Form der Predigt in alten tannaitischen Partieen unserer Midraschim zu suchen; ihr nachtannaitischer Charakter wird von allen Forschern anerkannt. Auch bei den Amoräern finden sie sich nicht. Midraschim, die mit ziemlicher Bestimmtheit dem Ende der amoräischen Periode zugewiesen werden können, zeigen noch keine Spur vom Jelamdenueinfluß. Erst die sogenannten Tanhumarezensionen, Pesikta rabbati und andere noch weiter zu nennende Midraschkompilationen (abgesehen von Deuteronomium rabba) tragen deutliche Zeichen ihrer Abhängigkeit vom Jelamdenu. Betrachten wir nun in erster Reihe einige vollständig erhaltene Jelamdenustücke, so werden wir die Gewißheit erhalten, daß wir in ihnen nicht den Anfang oder die Mitte, sondern das Ende einer langen Entwicklung erkennen müssen. Als Beispiel diene die Homilie zu Gen 8212. Jede Homilie beginnt mit einer Frage, Jelamdenu Rabbenu. Hierauf erfolgt die Antwort, welche gewöhnlich aus der Mischna, aber auch aus anderen Quellen geschöpft ist. Nun verlangt der Fragesteller einen Beweis für die tannaitische Lehre aus der Bibel (Pentateuch). Auf ihn gründet sich dann eine allgemeine theologische Lehre, welche an 2 oder 3, Beispielen näher erläutert wird. Zum Schluß wird der allgemeine Lehrsatz mit dem am Sabbat verlesenen Texte durch die Formel 1 Ich verweise hier nur auf einige Stellen: Kolbo §48, R. Haj, ירושת אבות, vgl. auch Mech. 22a, Schaare Teshuba, §§ 84, 102, Geone Mizrah u. Maarab, Nr. 16, 207, 208, J. Q. R. N S. XI, 409 u. a. m. 2 Vgl. Tanh. B, I .S- 32, Tanh. ed. Schechter in Jewish Studies for Dr. Köhler und Ginzberg S. 37.

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