Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zur Pluralbildung im Hebräischen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 261 (sequence 3)
- Language
- German
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261 Vielheit, der damals noch identisch ist mit Größe, Fülle, Menge, Furchterregendem u. ä. Die aus solchem Quasi-Affekte stammenden Laute dürften ursprünglich die ersten Bildungen zur Bezeichnung der Vielheit ergeben haben (vgl. den Ausdruck für Wasser im Semitischen: ar. ma, äth. mäi, hebr. mal\ aram. mai(iä), südar. ID, malt, möi(a), akk. mü bzw. me1 2). Der wirkliche Zahlbegriff einer zählbaren Anzahl ist erst die Zwei, welche der Urmensch, wie gesagt, zunächst an seinen proportionierten. Körperteilen festgestellt haben dürfte. Die daraus entstandene Bildung ging dann einerseits auf alle Ausdrücke, die eine wirkliche, natürliche wie künstliehe, Zweiheit bezeichnen, über, andererseits erstreckte sie sich in der weiteren Entwicklung auf die Mehrzahl im allgemeinen. Damit eben war der eigentliche grammatische Plural historisch gegeben. Hierbei sind noch verschiedene Momente, wie Sprachberührung, Sprachmischung u. ä. in Betracht zu ziehen, was im Sem. nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sich natürlich nicht feststellen läßt. Daß im Hebr. die scheinbare Dualendung aim eine ältere Form der Pluralbildung darstellt,, könnte übrigens noch daraus hervorgehen, daß die Endung ים", wie bekannt, immer nur an die alte Grundform des Sing, angehängt wird, ohne jede Umbildung, Kürzung bzw. Dehnung der ursprünglichen Vokale, so aus חפן, Grundform huf 11 — חפנים (vgl. akk. upnä) u. a. In späterer Zeit hingegen bildete man D'5n'(Spr 286. 18), פןו־־נים (Dan 862;״n), לדדלם (Deut 183) ebenso wie den gewöhnlichen Plural 3מלכים. Diese ursprüngliche Pluralendung aim mag nun nachträglich in em umgelautet worden sein (vgl. samema in den Glossen der Amarnabriefe), während em hinwiederum in späterer Zeit zu im wurde (vgl. unten S. 263 Z. 20 v. o.). Dafür könnten vielleicht die griechischen Transkriptionen Belege bieten. Während nämlich die Endung 7ים in G noch eifi lautet, wird sie bei Grigines, besonders in der zweiten Kolumne der Hexapla, 11ן transkribiert.״ Für diesen späteren Ablaut ließen sich schließlich auch Zeugen wie עינות anstatt nw (Spr 828), לןינים für לןינים (IChr 235) u. a. anführen. Eine Wandlung des Diphtong aj über e in i finden wir übrigens auch in der Verbalflexion, wie gilaiti: גליתי neben גליתי u. ä. II. Diesen yon mir aufgezeigten Weg der Pluralbildung dürften die meisten sem. Sprachen gegangen sein. Es lassen sich nämlich 1 Enthalten in der Reduplikationsform מימי ,מימי usw. (s. Gesenius- Buhl s. v.). 2 Dieses wie das im folgenden ohne nähere Quellenangabe angeführte Belegmaterial ist großenteils B. GR I, § 6244 §—ל bzw. Semitische Sprach- Wissenschaft (Leipzig 1906) § 66—§ 168 entnommen. In der Laut- und Formenlehre des Sem. folge ich ebenfalls diesen Werken a. 0. a. O. 3 Dagegen dürften die Ausnahmen בעים ,עשורים ,רחמים ,בטנים ,?ובןמים$ Ueberreste der älteren Pluralbildung darstellen. In עשורים ,,zwanzig“ ist noch die ursprüngliche duale Bedeutung offensichtlich (vgl. äth. *esra)• Die höheren Dekaden — ארבעים ג#ל$ים usw. — werden wohl Analogiebildungen sein.