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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 258

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Biblische Kleinprobleme
Date
1930-01-01
Page
Seite 258 (sequence 5)
Language
German
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258 Unerkannt ist dagegen der vierte Name geblieben, der sicherlich in dem gründlich mißverstandenen Abschnitt 96-ג vorliegt, den man irrig auf die Geburt des Messias-Königs bezieht. In Vers 5 wird auch hier die Geburt eines Sohnes angekündigt. Aber in der üblichen Uebersetzung: Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns gegeben, und die Herrschaft kommt auf seine Schulter, und er (besser: man) nennt ihn Wunderrat, Gottheld, Ewiger1, Friedensfürst (Kautzsch) kommt u. a. das Kuriosum zustande, daß dort, wo unbedingt der wirkliche Name des Kindes genannt sein mußte, (hebr.: und sein Name wird gerufen ויקרא שמו) statt dessen unmittelbar Ehrentitel genannt werden, die dem Kleinen keineswegs gleich in die Wiege mitgegeben werden können, und darunter gar der der ganzen biblischen Anschauung hohnsprechende Name2 3 אל נב1ל ,,Helden got t“ (,,Gottheld“ ist falsch), der doch, wie schon Jes 1021 ,,ein Rest kehrt zurück ... zu dem Heldengott (♦ ♦ 4 אל אל גבור)“ lehrt, nur Attribut Gottes, nicht irgend eines Menschen ist. Die modernen Bibelerklärer haben nicht erkannt15, daß der Name auch hier wieder die Form einer Aussage hat: 0לא י1עץ אל ״ .נבורW underbares beschließt der Helden got t.“ Die Erfüllung einer solchen Verheißung wird mit ganz entsprechenden Worten z. B. Jes 25! ausgedrückt: כי עעלת^לא עצ1ת מלח1ק. ,,Daß Du Wunderbares geschaffen, Ratschluß von ferne her.“ Vgl. auch besonders noch jes 2 829: גם זאת מעם יהוד. צבאות יצאה הפלא עצה ״ .הגדיל תועדהAuch das ist von Jhwh Zebaoth ausgegangen, er hat wunderbar gemacht seinen Ratschluß, groß seine Weisheit.“ Nur die darauf folgenden weiteren Bezeichnungen können Ehrentitel sein, die auf die späteren Würden des Neugeborenen hinweisen. Daß es sich jedoch um einen Herrscher handeln sollte, wird allein aus dem Worte משלה erschlossen, das man, wie ich schon in Debir II, 884 gezeigt habe, mit Unrecht oft als ,,Herrschaft“ verstanden hat, indem man es gegen alle Grammatik von שרר , ,herrschen“ ableitete, obwohl schon der vorhergehende Vers klar zeigen mußte, daß die Bedeutung ,,Herrschaft“ auf keinen Fall paßt. Wir können das a. a. O. behandelte Problem des Wortes »משרד hier auf sich be- ז! ruhen lassen, das ja auch im Mittelalter nicht immer so gedeutet worden ist und in der spanisch-mittelalterlichen Dichtung wie auch in den Gedichten der Jemeniten viel mehr mit מסל ,מפלת in Verbindung gebracht wird und dort als Synonym zu Thora und religiösem Geheimnis (סול) häufig vorkommt. Es handelt sich jedenfalls nicht um eine Prophezeiung des Königtums, sondern um eine Voraussage hoher Verdienste im Dienste des königlichen Hauses. Zu 1 Daß diese Wiedergabe von אבי עד falsch ist, bedarf keines Beweises. 2 Dies׳ trotz der gekünstelten Versuche moderner Forscher, Vergöttlieliung von Menschen in der Bibel nachzuweisen. 3 So auch jetzt wieder Buber, oben S. 193. Die alten Erklärer, wie z. B. Targum, Rascni, Kimchi haben wenigstens gesehen, daß die ersten Wörter nur •Attribute Gottes, nicht eines Menschen sein können, wenn sie auch der Konstruktion des Satzes Gewalt antun. 4 Dort ist auch das hier behandelte Problem bereits kurz gestreift.

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