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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 257

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Biblische Kleinprobleme
Date
1930-01-01
Page
Seite 257 (sequence 4)
Language
German
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207 zu zeigen scheint, von der Mutter dem Tempel überlassen und wir dürfen vielleicht vermuten, daß dies zuweilen oder regelmäßig in Fällen erfolgte, wo (vielleicht, weil es sich um Witwen oder Hierodulen handelte) das Kind einen Vater nicht hatte. Die Stiftung dieser ״geliehenen“ Kinder wurde auf Samuels Mutter zurückgeführt. Es ist begreiflich, daß diese dem Tempel überlassenen und vielleicht vaterlosen Kinder keine besondere Achtung genossen, und daß sie daher es sich auch nicht erlauben durften, als Propheten aufzutreten und im Namen Gottes dem Volk und dessen Führern Weisungen zu geben. Auf diese Weise dürfen wir uns die Geschichte des Spruches etwa folgendermaßen denken: Das geflügelte Wort ,,Ist auch ein Leihknabe unter den Propheten?“ besagte soviel, wie: Wie darf dieser hergelaufene Bursche sich erlauben als Prophet aufzutreten? Ja, manchmal setzte man noch das Spottwort hinzu: ,,Und wer ist denn sein Vater?“ Dieser Spruch ward mit der Geschichte Samuels verknüpft, der, obwohl nur ein Leihknabe und deren erster, doch zu hoher Stellung gelangte. Als später das Wort שאול mißverstanden und auf den König Saul gedeutet wurde, entstand eine Erzählung, die Saul, Samuel und die Propheten irgendwie verbinden mußte und darum nicht gut anders lauten konnte, als daß einmal Saul zur Verwunderung derer, die ihn kannten, vor Samuel oder nach dessen Voraussage mit den Propheten in Verzückung geriet. Die Absicht, Saul zu rühmen oder herabzusetzen, fehlt der Sage ganz, sie ergibt sich erst aus der Einordnung der Erzählung in die Lebensgeschichte dieses Königs. 2. Ein vierter Sohn des Jesaja. Zu Jes 95. Im Buche Jesaja werden bekanntlich mehrere Kinder des Propheten erwähnt, die symbolische, für die Zukunft des Volkes bedeutsame Namen tragen. Als solche erkannt sind folgende drei Namen: Immanuel, Schear Jaschub und, , wie der massoretische Text vokalisiert: Mäher Schalal Hasch Baz. Bei dem letzteren Namen ist allerdings die traditionelle Aussprache schwerlich richtig. Ist מהר, wie es bisher auch allgemein verstanden wird, und wie dies auch in der deutschen Wiedergabe ,,Eilebeute Raübebald“ aus־ gedrückt zu werden pflegt, Imperativ, so müßte auch das analoge חש entsprechend als Befehlsform חיש gelesen werden. Ist umgekehrt חש richtig, so kann es nur Partizipium oder Perfektum sein. Zwischen diesen beiden Möglichkeiten würde dann מחר für das Perfektum entscheiden, da es nicht als Partizipium ausgesprochen werden kann. Und da nun die beiden anderen Namen, ,,Mit. uns ist Gott“ und ,,Ein Rest kehrt zurück“ Aussagen enthalten, wie dies auch ihrem Charakter als Voraussage der Zukunft allein ent־ spricht, müssen wir uns wohl auch hier für die Form der Aussage entscheiden, hier freilich in der grammatischen Form des Perfekts, die aber, wie auch sonst oft, in diesem Falle Gegenwarts־, bezw. Zukunftsbedeutung hat: ,,Rasch kommt (מהר) die Beute, schnell der Raub.“ Monatsschrift, 74. Jahrgancj. 17

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