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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 256

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Biblische Kleinprobleme
Date
1930-01-01
Page
Seite 256 (sequence 3)
Language
German
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256 ist aber im Grunde und darum auch in den Einzelheiten von vornherein verfehlt, weil sie folgendes übersehen hat: Der Ausgangspunkt jeder Erklärung — und als älteste Erklärungsversuche allein haben wir ja auch die beiden Berichte selbst anzusehen — ist die Tatsache, daß der Spruch הגם שאול בנביאים als geflügeltes Wort im Umlauf war. Man fragte: ,,Ist auch שאול unter den Propheten?“, um auszudrücken, daß jemand nicht gut in einer Gesellschaft sein könne, die so ganz anders ist als er, wie man ähnlich etwa im rabbinischen Schrifttum vom Priester auf dem Gräberfeld oder vom Nasiräer im Weinberg spricht. Die Voraussetzung für das Verständnis der Frage im geflügelten Wort ist also die, daß es für jedermann selbstverständlich war, daß ein שאול nicht unter den Propheten sein könne. Beide Erzählungen können das geflügelte Wort schon aus dem Grunde nicht wirklich erklären, weil sie berichten, wie Saul einmal unter den Propheten war, während die wirkliche Voraussetzung des Spruches die ist, daß ein שאול eben niemals, und selbstverständlich nicht unter den Propheten sein könne. Die Erklärung des Spruches muß darum nicht nur davon ausgehen, daß ihm keine wirkliche Begebenheit zugrunde liegt, bei der Saul irgend etwas mit Propheten zu tun hatte. Sie setzt vielmehr noch voraus, daß. die Scheidung zwischen Saul und Propheten ganz selbstverständlich, ein Zusammensein beider undenkbar sein muß. Das kann aber niemals der Fall sein, wenn wir den Erzählern auch nur soweit folgen, daß es sich hierbei um den König Saul gehandelt hätte, denn warum sollte es so absurd sein, König Saul unter den Propheten zu denken? Wenn von ihm auch die Bekämpfung des Hexenwesens und der Totenbeschwörung erzählt wurde, liegt doch keine Tatsache vor, die ihn in solchen Gegensatz zum Prophetentum stellt, daß eine Verbindung mit diesem dem Volksbewußtsein undenkbar sein müßte. Der שאול unseres Spruchs muß darum von vornherein jemand bezeichnen, der dem Begriffe nach jede Beziehung zu den Propheten ausschloß. Mit anderen Worten: שאול in unserem Spruche ist überhaupt kein Eigenname, sondern Bezeichnung einer Menschenklasse, die den Prophetenberuf ausschloß. Es ist allen Erklären! aufgefallen, daß die in I Samuel l27-28 für den Namen Samuel gegebene Begründung: ,,Und Jhwh gewährte mir meine Bitte (שאלתי), die ich von ihm erbeten habe“ (שאלתי). Und auch ich habe ihn Jhwh geliehen (השאלתיהו); alle Zeit, die er lebt, ist er Jhwh geliehen (שאול)“ nicht wirklich den Namen Samuel, sondern vielmehr den hier unpassenden Namen ,Saul zu begründen scheint, wobei eine Verwechslung bei der vierfachen Begründung ausgeschlossen ist. Die Schwierigkeit erledigt sich, wenn wir erkennen, daß hier nicht der Name Samuel, sondern die Bezeichnung der Stellung eines dem Tempel überlassenen Knaben als שאול ,,Leihknabe“ erklärt werden soll, die auf Samuels Mutter Hanna zürückgeführt wird, und der vielleicht in späterer Zeit der Ausdruck N e t i n i m (נתינים) für die dem Tempel ,,geschenkten“ Burschen entspricht. Solche ״geliehene“ oder ,,geschenkte“ Knaben wurden, wie die Erzählung der Hanna

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