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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 247

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Psychoanalyse und Kulturphilosophie
Date
1930-01-01
Page
Seite 247 (sequence 7)
Language
German
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247 neuen Familienbindungen,' die zielgehemmte zu ,,Freundschaften", welche kulturell wichtig werden, weil sie manchen Beschränkungen der genitalen Liebe z. B. deren Ausschließlichkeit entgehen (a. a. O. S. 67). . Nichtsdestoweniger vermag die Triebsublimierung nicht den Gegensatz zwischen Trieb und Kultur zu überbrücken. Grade durch die Sublimierung wird der Zusammenhang innerhalb der Familie inniger und damit der Konflikt zwischen den Interessen der Familie und den der größeren Gemeinschaft stärker. Die Frauen vertreten die Interessen der Familie und des Sexuallebens; die Kulturarbeit ist immer mehr Sache der Männer geworden, stellt ihnen immer schwierigere Aufgaben, nötigt sie zu Triebsublimierungen, denen die Frauen weniger gewachsen sind. Was der Mann an psychischer Energie für kulturelle Zwecke verbraucht, entzieht er größtenteils den Frauen und dem Sexualleben. .Durch Gesetz und Sitte werden weitere Einschränkungen hergestellt, die sowohl die Männer als die Frauen betreffen. Die wirtschaftliche Struktur der Gesellschaft beeinflußt noch das Maß der restlichen Sexualfreiheit (a. a. O. S. 69 ff.). Dieser Gegensatz von Trieb und Kultur erfordert weitere Sicherungen der Kultur. Die Kultur bewältigt die gefährliche Aggressionslust des Individuums, indem sie es schwächt, entwaffnet und durch eine Instanz in seinem Inneren, wie durch eine Besatzung in einer eroberten Stadt überwachen läßt: das Schuldbe wüßtsein, das Gewissen. Die Autorität der Gesellschaft schafft den Unterschied von gut und böse und der Zwang der Gesellschaft schafft ein Ueber-Ich, das als ,,Gewissen" gegen das Ich dieselbe strenge Aggressionsbereitschaft ausübt, die das Ich gern ,an anderen fremden Individuen befriedigt hätte. Die Spannung zwischen dem gestrengen Ueber-Ich und dem ihm unterworfenen Ich ist das Schuldbewußtsein, das sich als Strafbedürfnis äußert. Das Gewissen setzt die Strenge der äußeren Autorität, die von ihr abgelöst und teilweise ersetzt wird, fort. Die Aggression des Gewissens konserviert die Aggression der Autorität (a. a. O. S. 101 i). Das Hineinnehmen der äußeren Autorität in das Gewissen, die Entstehung des Ueber-Ich, die Entstehung des Schuldgefühls führt Freud auf die Tötung des Urvaters zurück. Auf diese Tötung mußte Reue folgen. ,,Diese Reue war das Ergebnis der uranfänglichen Gefühlsambivalenz gegen den Vater; die Söhne haßten ihn, aber sie liebten ihn auch; nachdem der Haß durch die Aggression befriedigt war, kam in der Reue über die Tat die Liebe zum Vorschein, richtete durch Identifizierung mit dem Vater das Ueber-Ich auf, gab ihni die Macht des Vaters wie zur Bestrafung für die gegen ihn verübte Tat der Aggression, schuf die Einschränkungen, die eine Wiederholung der Tat verhüten sollten. Und da die Aggressionsneigühg gegen den Vater sich in den folgenden Geschlechtern wiederholte; blieb auch das Schuldgefühl bestehen und verstärkte sich von Neuem durch jede unterdrückte und dem Ueber-Ich übertragene Aggression.• So ist das Schuldgefühl Ausdruck des Ambivalenzkonflikts; des ewigen Kampfes zwischen dem Eros und dem Destruktionstrieb. Solange die Gemeinschaft nur die Familie kennt, muß er sich im Oedipus komplex äußern, das Gewissen einsetzen, das erste

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