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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 242

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 4
Article
Psychoanalyse und Kulturphilosophie
Date
1930-01-01
Page
Seite 242 (sequence 2)
Language
German
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242 eines Kräftespiels in der Seele begreifen, als Aeußerung von zielstrebigen Tendenzen, die zusammen oder gegeneinander arbeiten. Wir bemühen uns um eine dynamische Auffassung der seelischen Erscheinungen. Die wahrgenommenen Phänomene müssen in unserer Auffassung gegen die nur angenommenen Strebungen zurücktreten/' (F^eud: Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse. Taschenausgabe. I. Teil S. 58.) Wie in den Fehlleistungen ist man geneigt, in den Träumen, in Reaktion auf die Ueberschätzung früherer Zeiten, einen körperliehen, in allen Fällen unnötigen, in vielen Fällen gradezu krankhaften Vorgang zu sehen, oder sie als Zerfall der Assoziationen, Aufhebung der Kritik oder als VorstellungsVerbindung unter dem Einfluß körperlicher Reize zu erklären. Auch hier entdeckt Freud in den Träumen ein psychisches Phänomen, das die sinnhafte Wirkung psychischer Kräfte ist. Träume sind zunächst Reaktionen auf einen den Schlaf störenden Reiz. Der Traum bringt aber den Reiz nicht einfach wieder, sondern verarbeitet ihn. In dieser Verarbeitung muß der ,,Sinn0 des Traumes zu erfassen sein. Während aber bei den Fehlleistungen die nur teilweise verdrängte Intention sich durchsetzt und wir sie so mitunter zu erkennen vermögen, scheint bei dem Traume nicht nur uns, sondern auch dem Träumenden die Ursache des Traumes verborgen zu sein. Hier nun setzt die psychoanalytische Deutung Freuds ein: So wie der aus dem hypnotischen Schlafe Erweckte zunächst nicht zu wissen behauptet, was sich mit ihm während der Hypnose zugetragen habe, und doch imstande ist, immer vollständiger die ihm suggerierten Erlebnisse zu berichten, so ist es ,,sehr wahrscheinlich, daß der Träumer um seinen Traum weiß; es handelt sich nur darum, ihm.möglich zu machen, daß er sein Wissen auffindet und es uns mitteilt0 (a. a. O. S. 98). Durch Zerlegen des Traumes in seine Elemente und ungehemmte freie Aussprache der assoziierten Vorstellungen, die von den einzelnen Traumelementen ausgelöst werden, wird zunächst das künstliche Geflecht des Traumes, der manifeste Traum aufgelöst und grade dadurch sein psychischer Kern, der latente Traumgedanke freigelegt. Durch Anwendung dieses Assoziationsexperiments erkennt Freud, daß Träume verständliche, seelische Akte sind. ,,Daß ein Wunsch der Erreger des Traumes ist, das ist der eine Hauptcharakter des Traumes. Der andere ebenso konstante ist, daß der Traum nicht einfach einen Gedanken zum Ausdruck bringt, sondern als halluzinatorisches Erlebnis diesen Wunsch als erfüllt darstellt0 (a. a. O. S. 125). So wie bei den Fehlleistungen zwei Intentionen mit einander ringen und die Fehlleistung das Kompromiß der Durchsetzung beider Intentionen darstellt, so ist der Traum ein Kompromißergebnis. ,,Man schläft, aber man erlebt doch die Aufhebung eines Wunsches; man befriedigt einen Wunsch, setzt dabei aber den Schlaf fort. Beides ist zum Teil durchgesetzt und zum Teil aufgegeben0 (a. a. O. S. 126). Während aber bei Kinderträumen die halluzinatorische Wunscherfüllung als Sinn des Traumes leicht zu erweisen ist, sind dieTräume

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