Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Frage der slowenischen Bestandteile in der jiddischen Sprache
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/2829132-2829967-2829971-2836102--49812-2836206- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
quälen1. (Im Jiddischen sagt man upessn dos harz und upjadon dos harz.) Die Vokabel pamejlach (allmählich) kommt im 16. Jh. in der Form 2לסצליך, ,,gimelich“, später als bamelich, bimelich, bamelech, 3במעלך und 5בימעלך ,*במלאח ,במלח vor. Ina Deutschen läßt sich dieses Wort bereits zu Beginn des 17. Jh. bei Zacharias Theobaldus Schlaccowaldensis6 in seinem ,,Hussitenkriege7 in der Form beymälicken (I, 210), allbeymälich (II, 7), bemählich (II, 37) nachweisen. M. Grünbaum8 will dieses Wort aus dem nordböhmischen pomälich ableiten, aus dem das bei Theobaldus Schlaccowaldensis erwähnte Wort bemählich genommen sei9. Dagegen entscheidet sich Prilutzki für den germanischen Ursprung dieser Vokabel. Die ältere jüdische Form gimelich (גימעליך) erinnere an das mhd. gemächlich, gemechliche und gemach10 (ruhig, langsam, bedächtig). Im 15. Jh. komme bei deutschen Schriftstellern die Form gemelich vor11. Bei ,,bamelech“ haben wir denUebergang von der Vorsilbe ge zu be12. (Vgl. genügen und benügen.) Gegen die slawische Abstammung spreche auch das e in der zweiten Silbe; stammte es nämlich vom slawischen pumalich oder pomalig, dann bliebe im Jiddischen nach dem m das a oder es gäbe ein 0 oder u, niemals aber e13. Chrakdn (sich räuspern) müssen wir nicht erst im Slowenischen suchen, wenn es russisch chrakati, chracu heißt14. Zandar (Gendarm) ist ukrainisch und polnisch15. Wewerkd (Eichhörnchen). Die Form veverka finden wir auch im Tschechischen16. Auch die verkürzte tschechische Form veverek entspricht dem jiddischen wewrdk. Wewerko kann aber ebensogut von dem ukrainischen vevirka herkommen. Der Uebergang von i^e ist gerade im südlichen Jiddisch sehr häufig. (Vgl. z. B. ukrainisch lemiska, jidd. lemeschko.) 1 Dal. ih. IV, S. 1523. 2 In ספר של רב אבשיל wird hebr. 11) לאט Sam 185) mit גימעליך übersetzt. 3 M. Grünbaum: Jüdisch-deutsche Ghrestomathie. Leipzig 1882, S. 537. 4 Markuse, Mose: עזר ישראל. Porytzk 1790, S. 24b und 4b. 5 Zunz, G. V. Berlin 1832, S. 440. Vgl. die Zusammenstellung bei Prilutzki, N.: Der jiddischer Konsonantizm (jidd.). Warschau 1917, I, S. 165 ff. 6 Geb. 1584 in Böhmen, gest. 1627 bei Nürnberg. (A. D. B. Bd. 37, S. 682.) Die Vermutung Grünbaums, daß Theobaldus Schlaccow. ein schlesischer Schriftsteiler gewesen sei, ist demnach zu berichtigen. 7 Nürnberg 1621—24. 8 Grünbaum ib. S. 537, 547. 9 Peters: Lexikalisches im Anschlüsse an Weinholds Beiträge zu einem schlesischen Wörterbuche in ,,Die deutschen Mundarten“. Hrsg. G. K. Frommann. Bd. 5. Nördlingen 1858, S. 476. 10 Lexer: Mittelhochd. Taschenwörterbuch. Leipzig 1912. S. 66, 67. Das letzte Wort ist im jidd. in gemach losn erhalten. (Lifschütz, Jüdischrussisches •Werterbich. Zitomir 1876, S. 70.) 11 Weigand: Deutsches Wörterbuch, Gießen 1909 r\ I, 671. 12 Prilutzki, ibid. S. 170. 13 Ibid. S. 171. 14 Sreznevski, ib. III, 1395; Dal., ib. IV, 1229. 15 E. jSelechowski: Ruthemsch-deutsch.es Wörterbuch. Lemberg 1886, I, S. 217; Karlovicz etc. VIII, S. 690—1־. 16 F. Kott; Ö esko-nemecky slovnik. Prag 1884. IV, S. 663.