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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 218

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Zur Frage der slowenischen Bestandteile in der jiddischen Sprache
Date
1930-01-01
Page
Seite 218 (sequence 2)
Language
German
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Kulturgeschichte, Ethnographie und Literatur eingehen, und darf nicht nur Schlüsse aus bloßer Aehnlichkeit einzelner Formen ziehen. Geht man aber nun unmethodisch vor, so ist man zum mindesten verpflichtet, den Nachweis zu führen, daß sich die gegebene Form n u r in der zum Vergleich herangezogenen Sprache findet und eine Entlehnung des Jiddischen in einer solchen Periode belegt werden kann, in der Beziehungen zwischen den in Frage kommenden Sprachen möglich scheinen. All dies wird in der Arbeit von Dr. Rothmüller nicht befolgt1. Verf. greift 7—8 einzelne Worte der jiddischen Sprache heraus und will sie aus dem Slowenischen ableiten. Er folgt dabei der Auffassung von M. Mieses in ,,Die jiddische Sprache“ (Berlin-Wien 1924)2, der das germanische Element im Jiddischen auf den bajuvarischen Dialekt zurückführt. Entsprechend will Rothmüller aus dem Slowenischen, das vor der Germanisierung dieses bajuvarischen Sprachgebiets in Kärnten und Steiermark vorherrschend war, einen Teil des slawischen Elementes herleiten. Seine Beweisführung besteht einfach darin, daß er die Aehnlichkeit einiger jiddischen Worte mit entsprechenden slowenischen aufzeigt, welche ,,Beispiele den slowenischen Einfluß in der jiddischen Sprache zur Genüge erhärtet haben dürften“. Auf Grund dieses ,,Nachweises“ hält der Verf. es für naheliegend, ,,daß sich auch im sonstigen jiddisch-slawischen Sprachschatz slowenisches Gut birgt“. Wie aber, wenn der ,,Nachweis“ nicht stimmt? Diese 7—8 Worte sind in der gegebenen Form auch in anderen slawischen Sprachen anzutreffen; einige sind jüngeren Datums und vielleicht erst im 19. Jahrhundert in die jiddische Sprache eingedrungen. Also kann man bei letzteren sicher nicht von slowenischem Gut sprechen, dessen Uebernahme in die jiddische Sprache spätestens in den Ausgang des Mittelalters zu setzen ist. Die bei R. genannten Worte seien jetzt in der gleichen Reihenfolge angeführt. Um sajdd (Großvater) von sed (grauhaarig) abzuleiten, braucht man nicht erst im Slowenischen zu suchen. Tschechisch sedy3 4, altrussisch sed41 (schon im 11. Jh. bekannt) bedeutet auch weiß, grauhaarig. Im Neurussischen gibt es auch die verkürzte Form des Adjektivs sedoj-sed5. Jaddn (ärgern, quälen) kann sehr leicht von polnisch jad, jadaa hergeleitet werden, das auch die Bedeutung ärgern hat6. Uebrigens hat auch das russische est* essen die Nebenbedeutung ärgern, 1 Ibid. S. 475 ff. 2 Eine Besprechung dieses Werkes wird demnächst in der MGWJ. gegeben werden. 3 Mokrovin: Rusko-ceski slovnik. Prag 1921, 8. 670. 4 J. J. Sreznevski: Materialy dlja slovarja drevne-russkago jazyka. Petersburg 1912, III, 8. 889. 5 Dal, V. rl olkovyj slovar’ russkago jazvka. Peters bürg-Mos kau 1913, IV, S. 691. 6 Karlowicz, Krynski, Ni ed£ wie dz In: Slownik fezyka polskiego. Warschau 1902, II, S. 121, 173. Linde: Slownik j^zyka polskiego. Lemberg 1855, II, 8. 224, 267.

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