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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 220

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Zur Frage der slowenischen Bestandteile in der jiddischen Sprache
Date
1930-01-01
Page
Seite 220 (sequence 4)
Language
German
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Kest (Kastanie) ist im Jiddischen wenig gebräuchlich, wenn es auch in einem Wörterbuche aufgeführt ist1. Es herrscht fast überall die Form kaschtan, wie sie die slawischen Sprachen haben. Aber auch die Form kest muß nicht gerade auf das serbokroatische hinweisen, wo sie auch erst auf fremden Einfluß zurückzuführen ist2, sondern kann aus näherliegenden Sprachen hergeleitet werden. Auch das Mhd. hat die Formen besten, bestem neben ikastane3 4) oberdeutsch best? (khestö) und ahd. chestinna5 6 7. Grabljen (harken) kann aus dem Russischen, Polnischen oder Ukrainischen stammen. Russisch grablju, grabliu, g?'abliQt ukrainisch hrabli, polnisch grable oder grabie1. Unrichtig ist auch, die Herkunft dieses Wortes aus dem Slowenischen zu folgern, bloß weil dort die Konsonantenfolge blj anzutreffen sei. Der Kundige weiß, daß im Russischen das i das vorhergehende l palatalisiert und es in Ij (also blj) verwandelt, und daß im Polnischen das l ohnedies weich ausgesprochen wird8. Ebensowenig ist Ugerbd (Gurke) im Slowenischen zu suchen. Das Wort ist in der jiddischen Sprache noch sehr neu (die älteren jiddischen Bibelübersetzungen deuten קשואים Numeri 115 als Kürbis) und kann sicher nicht aus dem Slowenischen entlehnt sein. Auch das Tschechische kennt die Form mit anlautendem u9 und im polnischen Patois ist die Form ugurbi (pl.) üblich. Dem ,,Beweis“ für den Einfluß des Slowenischen auf das Jiddische fehlt somit jede wissenschaftliche Begründung. Man kann nicht mit Sicherheit behaupten, daß das eine oder das andere Wort aus einer bestimmten Sprache entlehnt sei, wenn keine zwingenden Gründe dafür vorliegen10. Dies ist hier nicht der Fall. 1 Lifschütz, ibid. S. 200. 2 F. Miklosich: Etymologisches Wörterbuch der slawischen Sprachen. Wien 1886. S. 133. 3 Lexer, S. 122. 4 F. Kluge: Etymologisches Wörterbuch. Berlin-Leipzig 1921 9, S. 230. 5 Ibid.; Weigand ib. I, 1003. 6 A. Preobrazenskij: Etymologiceskij slovar’ russkago juzyka. Moskau, 1910 ff. I, S. 153; Sreznevskij, ib. I, S. 574. 7 E. Berkner: Slawisches etymologisches Wörterbuch. Heidelberg 1908 f. I, 'S. 344. 8 Wenn auch in diesen Sprachen die Verbindung blj nicht schriftlich bezeichnet wird, ist sie nichtdestoweniger in der Aussprache vorhanden. Ueberdies ist die Palatalisierung in diesen Sprachen viel stärker als in den südslawischen Sprachen vor sich gegangen. (Vgl. O. Broch: Slawische Phonetik. Heidelberg 1911. S. 219 f., 204, 212 ff.) 9 Kott, ib. IV, 1884. 10 Es ist hier gar nicht nötig nachzuweisen, daß einige Worte wie Zanäar, iigerkd u. a. im Jiddischen jüngeren Datums sind und deshalb von selbst außerhalb der Einflußsphäre des Slowenischen stehen. Es genügt, wenn hier der ,,zwingende Einfluß“ des Slowenischen als nicht stichhaltig aufgezeigt wurde. Selbstverständlich liegt es bei Aehnlichkeiten in Form und Wortbildung in den verschiedenen slawischen Sprachen näher, sich an jene Sprachen zu halten, in deren Wirkungsbereich die Juden seit Jahrhunderten ansässig sind,

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