Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur wissenschaftlichen Talmudpflege [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 12)
- Language
- German
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183 Das Werk F.s ist leicht faßlich und für jedermann verständlich geschrieben. Man gewinnt hier ein Gesamtbild von dem, was insbesondere weite Kreise der Gegenwart vom Talmud zu wissen wünschen. Es bietet aber in erster Reihe viel Wertvolles dem religionsgeschichtlich interessierten Kenner der neutestamentlichen Wissenschaft, dem es ja in der Hauptsache gewidmet ist. Die ruhige Objektivität der Darstellung gibt dem Buch einen besonderen Wert und verbürgt ernste, wissenschaftliche Aufklärung. In letzterer Zeit gewann auch die talmudische Glossen- und Novellenliteratur eine nicht za unterschätzende Bereicherung. Von dem bekannten Glossator J. H. Dünner ist ein neuer posthumer Band erschienen (Adnotationes criticae ad Mosis Maimonidis codicem Mischne Thora הגהות על השנה תורה הוא היד החזקה להרמב״ם, Amsterdam 1929). Das Wesen der Dünnersehen Glossen ist aus den früher erschienenen 7 Bänden genügend bekannt. Der neue Band unterscheidet sich von den früheren nur darin, daß er nicht den Talmud, sondern den Kodex des Maimonides glossiert. Er gehört aber doch zum selben Kreis, da er den maimoindischen Text nicht so sehr von innen heraus als vielmehr in seinen Beziehungen zu den talmudischen Quellen beleuchtet. Die Quellennachweise zum Mischne Thora gehören immer noch zum Lieblingsproblem jüdischer Talmudforscher, und mit Recht, da das Problem noch bei weitem nicht erschöpft ist. In moderner Zeit hat diese Untersuchung manch neuen Stoff durch die fortgesetzten Veröffentlichungen der Geniza gewonnen. Dünner gehört jedoch noch zur alten Schule; sein Vergleichsgebiet ist hauptsächlich das im engeren Sinne genommene talmudische Quellenmaterial; Mischna, Tosefta und die beiden Talmude. Von M. S. Winkler erschien ein Buch (משברי ים, Galanta 1929), das Glossen zum Traktat Sota enthält. Der Stoff ist nicht einheitlich verarbeitet. Neben Verweisen auf Parallelen sind auch kleinere oder größere Novellen und kritische Anmerkungen. Einen wichtigen Dienst leistet der Verfasser durch die reichlichen Verweise auf die Parallelen, so weit sie den Midrasch und die spätere Literatur betreffen. Rein novellistisch ist das Buch von Ch. Ehrentreu (מנחת פתים, Frankfurt a. M. 1928, Verlag Chermon). Das hier Gebotene ist nur eine kleine Auswahl aus Vorträgen, die der Verfasser an bestimmten Sabbaten gehalten hat. Es sind halachische Diskussionen, die sich durch Scharfsinn und durch volle, seltene Vertrautheit mit der talmudischen und rabbinischen Literatur auszeichnen und von Fachgelehrten mit Interesse gelesen werden. Im selben Verlag erschien eine kleine Gutachtensammlung von Rabbi Mose Tohia Son&heimer״, dem einstigen Landrabbiner in Hanau (ם׳ אור פני משה מדע׳ וכו׳ ר׳ משה טוביה זצ״ל מוונטהיים אב״ד דק״ק האנוי והמדינה). Praktische Gutachten haben immer Zeitgeschichtliches an sich, und das gilt auch von der gegenwärtigen Sammlung. Das erste Gutachten ist an das Hamburger Rabbinat gerichtet und behandelt die Orgelfrage und verwandte, den Gottesdienst betreffende Probleme. Wir werden in die Kämpfe versetzt, die Anfangs des vorigen Jahrhunderts ihren Anfang nahmen und