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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 176

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Zur wissenschaftlichen Talmudpflege [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 176 (sequence 5)
Language
German
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176 auslegung ,,nicht ־wie dieHalacha“ — die hier als eine der schwersten Sünden gebrandmarkt ist — eine grundsätzlich gegnerische Sinngebung vorzustellen haben, die den Religionsinhalt des Judentums in seinem wesentlichen Bestände bedroht; und das stimmt genau auf die prinzipielle Hinwegdeutung des Gesetzes durch Allegorisierung des Thoratextes. Auf weitere Einzelheiten können wir hier nicht eingehen. Zum Schluß nur noch der bekannte Spruch des Rabbi Eleazar aus Modiim, den B. in der Fassung wie er Sifre Nun! 1531 vorkommt, zitiert. Es scheint mir, daß die Fassung in Abot III, 11 nicht nur die vollständigere, sondern auch die richtigere ist, da sie dem Sifre gegenüber והמגלה פנים בתורה שלא כהלכה voraus hat. Dieser Teil scheint im Sifre ausgefallen zu sein, wofür auch der Anfang der Stelle כי דבר ה׳ בוה, זה המגלה פנים בתורה spricht. Das Merkwürdige dieser Stelle., die mehr Einzelheiten aufweist als ihre Parallelen, besteht darin, daß sie sich inhaltlich mit dem deckt, was Philo von den radikalen Aliegorikern berichtet. Man vgl. Philo, De migr. Abr. § 89 ff. (Bd. 5, S. 176 f. der Uebersetzung). Hier wendet sich Fh. gegen die radikalen Allegoristen, die den einfachen Wortsinn der Thora verwerfen, und sich ausschließlich an den allegorischen Sinn halten. Er selbst ist wohl auch Allegoriker, meint aber, daß der sichtbare Wortsinn sich zum unsichtbaren (allegorischen) so verhalten müsse, wie der Körper zur Seele, und daß die Allegorien für sich unfaßbare ,,körperlose Seelen“ seien. Als Einzelbeispiele werden dort angeführt: Sabbat, Feiertage, Beschneidung und der Dienst im Tempel. Das deckt sich inhaltlich mit unserem Spruch. Allerdings müßte ,,moadoth“ im allgemeinen Sinne von ,,moed“ genommen werden, was sprachlich keine Schwierigkeiten macht. Die aufgezählten Fälle sind also keine willkürlichen Schulbeispiele, sondern die auffälligsten Kennzeichen alexandrinisch-hellenistischer Lebensführung. Die inhaltliche Deckung beider Stellen beleuchtet auch in unmißverständlicher Weise den sonst dunkeln Sinn des מגלה פנים בחורה שלא כהלכה. Auf weitere Parallelen und Hinweise muß hier verzichtet werden. Ebenso müssen wir es uns versagen, in derselben Weise auch auf den weiteren Inhalt des Werkes einzugehen. Diese Einzelheit soll bloß darauf hinweisen, daß wir in B.s Studien über Sünde und Sühne in der rabbinischen Literatur des ersten Jahrhunderts keine bloß mechanisch zusammengefügte Sammlung von Sätzen und Aussprächen eines bestimmten Zeitabschnittes vor uns haben, sondern die planvolle Forschung eines gründlichen Kenners des ersten Jahrhunderts, die uns ein sehr wertvolles Mittel für die fortgeschrittene, aber bei weitem nicht abgeschlossene geschichtsvergleichende Bearbeitung jener Zeit an die Hand gibt. Wir haben bloß beispielsweise auf den Kampf mit dem hellenistischen Judentum hingewiesen. Es braucht aber kaum gesagt zu werden, daß bei der erschöpfenden Heranziehung und kritischen Beleuchtung des aus den Quellen geschöpften rabbinischen Materials das Werk B.s auch dem unbefangenen Kirchenhistoriker ein willkommenes Hilfswerk sein wird. Denn auch der Urkirche gegenüber ging der Abwehrkampf um die praktische Aufrechterhaltung des Gesetzes. So manche Irrtümer, die Bousset und seiner Schule unterlaufen sind, dürften in Zukunft

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