Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Sitten und Sagen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 6)
- Language
- German
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166 Räubern geschützt1. Am Hoschana rabba soll eine schwangere Frau vom Etrog abbeißen.,־ nachdem er im Feststrauß verwendet worden war. Von dem am Laubhüttenfeste gebrauchten Etrog reicht man einer gebärenden Frau, um ihr die Geburt des Kindes zu erleichtern2. ,,Man soll nicht zu große Schritte machen, ־weil dadurch das Augenlicht um ein Fünfhundertstel geschwächt wird. Wodurch aber kann die Sehkraft wiederhergestellt werden? Dadurch, daß man vom Kidduschwein am Sabbatabend trinkt3/' Mit dem Reste des mit Wasser vermischten Habdalaweines bestreicht der Hausherr seine Augen, weil die Reste des Gebotes Unglücksfälle fernhalten4. ■ Der. Kinderlose soll vom Weine trinken, über den bei der Beschneidung eines Knaben der Segen gesprochen wurde5. Statt des angezündeten Räucherwerks setzte sich im Ritus der Habdala allgemein die auch sonst als־ Wohlgeruch beliebte Myrte fest. In den Ländern aber, in denen frische Myrtenzweige nicht beschafft werden konnten, nahm man Zuflucht zu den trockenen Myrtenzweigen, die vom Feststrauß des Laubhüttenfestes übriggeblieben waren, weil ,,die Reste des Gebotes Unglücksfälle fernhalten6 '׳. Von jeder Speise, die ihm gereicht wird, kostet der ,,Zaddik“ nur wenig, die Reste von den Speisen werden unter den Chassidim verteilt7. Bei den sefardischen Juden in Jerusalem werden die nicht mehr brauchbaren Thorarollen in irdenen Gefäßen, sowie abgenutzte Bibelexemplare, Gebetbücher und hebräische Schriften unter Gesang und Tanz in feierlichem Umzug zum Friedhof getragen, wo sie beigesetzt werden. Durch den Umzug glaubt man, die Beseitigung des Regenmangels und anderer Nöte bewirken zu können. In Rußland und Polen werden Reste von Thorarollen und heiligen Schriften zur Zeit der Pest auf dem Friedhofe bestattet, um dadurch die unheilvollen Wirkungen der Pest aufzuheben8. III. Um der Kinder willen. Bei den Arabern in Palästina gelten Kinder als wirksame Regenbitter.. Wenn der Herbstregen ausbleibt oder wenn im Winter eine zu. lange Regenpause eintritt, ziehen besonders die Mädchen und auch kleine Kinder, in der Dunkelheit nach dem Abendessen durch das Dorf und singen: O Herr, unser Herr! Wir sind klein, was ist unsere Schuld? Weit verbreitet, ist auch der Brauch, eine alte Frau, die zuweilen ein kleines Kind im. Schoße hält, durch das 1 Berliner a. a. O. 102. MGWJ 1923, 262. 2 Löw, Flora III 311. 306. 3 Berach. 43b. Raschi z. St. סקדרשא דבי שמשי. Vitry 83 f. Festgabe — Alois Knöpfler, München 1907, 232: ,,Den Eingang des Mahles bildete ein gesegneter Becher“. .כרם של ברכד• ist •der Becher, über ׳den der Segen gesprochen wird“. S. 237: ,,Die Mahnung Did. 95, von den geheiligten Speisen nicht den Katechumenen zu gehen, entspricht dem •Verbot, bei den jüdischen Sabbatmahlen nicht Fremdlinge daran teilnehmen zu lassen“. Ein solches Verbot gibt es nicht. 4 Pirke d. R. E. c. 2. Vitry 116. Manhig ed. Berlin:' 34a. 5 Resehumot I2. Tel-Aviv 1925, 363. : 6 Manhig 34a. Löw, Flora II 266 f. 7 Horodetzky 11 החסידות והחסידים/ Berlin 1923, 81, 8 Luncz, Jerusalem I 15. Matamim 8*6.