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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 165

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Sitten und Sagen
Date
1930-01-01
Page
Seite 165 (sequence 5)
Language
German
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165 Die Exorzisten, die eine Wunde mit einem Bibelvers besprachen, wurden vom ewigen Leben ausgeschlossen1. Der Mißbrauch des Thorawortes zu Heilzwecken wurde bekämpft2. Die abergläubische Verwendung der ,,Lieder gegen die Dämonen“ wurde von Maimonides zurückgewiesen3. Die Thora durfte nicht zu Heilzwecken mißbraucht, ihre Kenntnis überhaupt nicht zu einem Gewerbe gemacht werden. ,,Mache die Lehre nicht zu einer Krone, um dich damit groß zu machen, noch zu einem Spaten, um damit zu graben“4. Das Lernen wurde die Seele des Lebens, und das Sinnen über die Thora füllte Tage und Nächte aus und weihte Sabbate und Feste. Allein die Lehrer des Judentums glaubten nicht, daß das ,,Lernen“ böse Geister zu bannen vermöchte, wohl aber, daß es den bösen Trieb im Herzen überwindet und Gottesfurcht und Menschenliebe wachruft. In Lydda wurde entschieden, daß das Lernen wichtiger sei als das Tun, doch nur, weil es zum Ueben guter Werke führe5. Der Aberglaube bediente sich des toten Wortes; war doch in den geschriebenen Amuletten die sinnentstellende Umkehrung der Reihenfolge von Worten und Buchstaben üblich. Das geläuterte religiöse Empfinden suchte dagegen den tiefen Sinn im Thoraworte, das offenbart worden war, nicht um mit seiner Hilfe die Geister •zu verscheuchen, sondern um den Geist zu erleuchten und den Menschen zu einem frommen und sittlichen Wandel zu erziehen. II. Heilige Dinge. Wie das heilige Buch, so wird alles Heilige im Volksglauben zum Zauberkräftigen. Das Taufwasser wirkt heilend bei Kinder•־ krankheiten, das Weihwasser gilt als Wundermittel gegen Behexung. Die auf bewahrte Hostie bringt ständig Glück in das Haus, das Abendmahl heilt Krankheiten, und das Wachs der Altarkerze ist ein Heilmittel. Dinge, die nur entfernt mit der Kirche zusammenhängen, sind schon zauberkräftig6. Den Resten der Fastnachtsspeisen wohnt eine Zauberkraft inne. Die Schalen der Ostereier sind für allerlei glücklichen Zauber gut. Die Reste des Ostermahls, an denen besondere Kräfte haften, werden als Arznei verwendet7. Im Schwabenlande und in der Oberpfalz glaubt man, daß ein Haus, in dem eine ,,Judenmatz“ aufbewahrt wird, von Feuer geschützt wird8. Alles im religiösen Kult Verwendete wird geweiht und ,wirkt Wunder. Dieser Glaube findet sich auch im Judentum. ,,Selbst die Reste des Gebotes halten Unglücksfälle fern“9. So wird ein Stück von der dritten Mazza des Sederabends bis zum folgenden Jahre als Schutzmittel auf bewahrt: wer es bei sich trägt, ist vor 1 M. Sanh. 10, 1. Tos. Sanh. 12, 10. 2 Sanh. 101a. 3 קובץ תשובות הרמבם ed. Leipzig 3a Nr. 7. 4 Zadok, Ab. 4, 5. 5 Kidd. 40b. Schir r. zu 2lä. 6 Wuttke 107 f. Nr. 164. 165. 166. 7 Sartori, Sitte und Brauch III, Leipzig 1910, 113. 158. 156 Note 48. 8 Berliner, Aus dem Leben der deutschen Juden 102. 9 Sukka 38a.

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