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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 3 · p. Seite 164

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 3
Article
Sitten und Sagen
Date
1930-01-01
Page
Seite 164 (sequence 4)
Language
German
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164 eine Thorarolle legen. Da sprach R. Chisda: Soll man mit ihm nach einer Ansicht verfahren, die er zu Lebzeiten bestritten hatte? Als sie auf die Bahre des R. Chisda eine Thorarolle legen wollten, meinte R. Jizchak: Sollte man bei ihm einen Brauch üben, dem er zu Lebzeiten widersprochen hatte1? Wenn auch die beiden babylonischen Lehrer den Brauch, eine Thorarolle auf die Bahre der Weisen zu legen, bekämpften, so war doch dieser Brauch in Babylon bekannt. Auf den Glauben, daß heilige Bücher die Dämonen von den Toten fernhalten, gehen vielleicht die Abbildungen der Thorarolle in den jüdischen Katakomben von Rom zurück. So sieht man auf einem in den Katakomben gefundenen Goldglase einen Löwen neben einem aufgeschlagenen Gesetzbuche und auf einem am Monteverde entdeckten Grabstein eine Thorarolle. Auf mehreren Goldgläsern ist statt der Thorarolle der für ihre Aufbewahrung .bestimmte Schrank gefunden worden2. So hält das heilige Buch die Geister fern und beschützt den Toten noch auf seinem letzten Wege. Etwas von diesem Glauben findet sich in dem Gedanken der Agada wieder, daß das Thora־ Studium den Todesengel fernhalte. Nicht nur vom König David, sondern auch von Elia und Elisa, R. Chisda und Rabba b. Nachmani erzählt die Agada, daß der Todesengel über sie keine Gewalt hatte, solange sie dem Thorastudium oblagen und mit den Worten־ der Lehre sich beschäftigten. Auch dem religiösen Empfinden galt die Thora als ein heiliges Buch, dem im religiösen Brauch eine reiche Ehrung erwiesen wurde. Vor der Thora stand man auf; wurde sie verbrannt, so zerriß man das Kleid wie bei dem Tode der nächsten Verwandten3. Die Thora־ rolle wurde mit Krönchen geschmückt und Myrten bekränzt4. Am Thorafeste hängten Frauen ihren Schmuck der Thora um5; man brachte in die Synagoge Gewürze und Räucherwerk, um sie zu Ehren der Thora zu verbrennen6. In Jerusalem ging man an Wochentagen der Thora mit einer brennenden Fackel voran7. Allein so gewiß das religiöse Empfinden jedes Wort der Thora wog, nicht das Wort an sich war heilig, sondern der Geist, der von ihm ausging. 1 M. kat. 25a. 2 Berliner, Geschichte der Juden in Rom I 61. Nikolaus Müller, Die jüdische Katakombe am Monteverde zu Rom 12. Blau, Studien 180. Auch der auf den Epitaphien vielfach abgebildete siebenarmige Leuchter geht vielleicht auf den Glauben zurück, daß das Licht vor den Geistern schützt. So wurde in Mantua für den Sterbenden eine Wachskerze in der Form eines siebenarmigen Leuchters verfertigt. Die Kerze sollte die Seele versinnbildlichen und von dem Sterbenden die Geister fernhalten. Pachad Jizchak s. v. CDU, vgl. dagegen REJ. XIII 1886, 53, Berliner I 58, Müller 69 ff. 3 Kidd. 33b. M. kat. 25a. 4 Eppenstein, Abraham Maimuni 20. 69. 5 Manhig ed. Berlin 92a. 6 שערי תשובה Nr. 134 und in einer Handschrift bei Müller מפתח לתשובות 223 הגאונים Note 9 im Namen des Scherira Gaon. Isaak b. Giat מאה שערים 117a im Namen des Hai Gaon. 7 Zunz, Ritus 84.

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