Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Sitten und Sagen
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
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162 Als ״Lieder gegen die Dämonen“ galten der 3. und 91. Psalm1, als solche wurden sie in das Nachtgebet auf genommen2. Den 91. Psalm rezitierte Josua b. Levi als Schutzmittel gegen die den Schlaf störenden Plagegeister3, Diesen Psalm fand man in griechischer Sprache an der Wand in einem Mausoleum zu Kertsch4. Nach Aron b. Berechja aus Modena soll der 91. Psalm rezitiert werden, wenn die Leiche vom Sterbelager gehoben und auf die Erde gelegt wird5. Diesen Psalm rezitieren in Jerusalem die Träger der Bahre und die, die ihr folgen, nicht nur auf dem Wege vom Stadttore bis zum Fuße des Oelberges, sondern auch auf dem Friedhof, wenn die Bahre mit der Leiche, dort angelangt, von den Versammelten siebenmal umkreist wird6. Zur Zeit des Maimonides pflegten die Juden in Aegypten den Psalm gegen die Dämonen in ein Silbe?;־־ oder Goldblech einzuritzen, das sie um den Hals der Kinder hängten. Maimonides, der den Aberglauben in jeder Form bekämpfte, wies auch diesen abergläubischen Brauch zurück7. Der Glaube, daß die übernatürliche Kraft, die von den heiligen Schriften ausgellt, böse Geister und Krankheiten zu vertreiben und Heilung und Segen zu bringen vermöchte, ist weit verbreitet. In Asturien trägt man das beschrieene Kind in die Kirche und bittet den Priester, die Evangelien zu lesen8. Bei den deutschen Juden im Mittelalter versammelten sich am Abend vor der Beschneidung eines Knaben im Hause der Wöchnerin Freunde, um die Nacht dem Thorastudium zu widmen. Das Lernen in der ״Wachnacht“ sollte verhindern, daß das Kind ,,benommen“ würde. In Jerusalem lädt der jüdische Vater während der ersten Woche nach der Geburt eines Knaben Freunde ein, damit sie jede Nacht lernen und so die Mutter vor Unheil beschützen9. In der Zeit von der Geburt bis zur Taufe muß in der Wochenstube eine Lampe brennen; das Kind darf nicht allein gelassen werden oder wenigstens muß eine Bibel oder ein Gesangbuch in die Wiege gelegt werden10. In der Schweiz wird unter das Kopf- 1 j. Sabb. 8b. ]. Erub. 26c. 2 Baer 53ל f. 3 Schebuot 15b. 4 Blau a. a. O. 95 Note 4. 5 Landshut, Seder Bikkur Cholim XXX■‘‘ 6 Luncz, Jerusalem. I 13,' 14. 7 קובץ חשובות הרמבם ed. Leipzig•. 3a. Scheftelowitz, Altpalästinensischer Bauernglaube 170 Note 1: ״R. Sime’on rät an, den Psalm 92 zu lesen, um vor-den schädigenden Dämonen"1 Rühe zu haben“. Die zitierte Stelle lautet: וכן הוא אומר ז מזמור שיר ליום השבת למשבית מדקין בן העולם שלא יזיקו ,,Ferner heißt es: ,,Ein Psalm, ein Lied für den Sabbattag“ Ps 9215 für den Tag, der die Dämonen zur Ruhe bringt, daß sie keinen Schaden zufügen“ Jalk. 672, vgl. Schoch, t. zu Ps 92!. Nicht das Rezitieren des 92. Psalms, sondern der Sabbat bringt den Dämonen Ruhe. Der 92. Psalm gehört nicht zu den ,,Liedern gegen die Dämonen“. 8 •Seligmann, Der böse Blick II, Berlin 1910, 340. 9 Güdemann, Geschichte des Erziehungswesens III 103 und Note 2. Luncz, Jerusalem I 2. 10 Wuttke, Der deutsche Volksaberglaube, Hamburg 1860, 195 Nr. 343.