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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 124

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 124 (sequence 21)
Language
German
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124 Und trotzdem! Trotz aller Erfahrung, trotz aller Mahnung der Weisen, nach 60 Jahren wieder Bar Kochba. Das lebendige Gefühl der Messiaserwartung, die Ueberzeugung, daß die Ankunft des Messias doch unmöglich lange auf sich warten lassen kann, konnte nicht unterdrückt werden: daher Bar Kochba. Daß aber das Bar Kochbaunternehmen messianischen Charakters war, braucht nicht erst bewiesen zu werden. Hat doch sogar R. Akiba Bar Kochba für den Messias gehalten1. Und welche messianischen Eigenschaften konnte man in Bar Kochba entdecken? Nichts, als seinen Mut und seinen Willen, die Macht der Römer zu brechen. Dies war die eigentliche Aufgabe des Messias2. Aber Bar Kochba hat sich nicht als Messias bewährt und sein Unternehmen hat ein Unglück über das Volk gebracht, das vielleicht noch größer war, als jenes durch den Untergang des Staates und die Zerstörung des Tempels. Da erkannten die geistigen Führer des Volkes die Gefahr, welche die Gegenwartshoffnung der Messiaserwartung in sich birgt: Die Vernichtung der Nation, ihre Aufreibung in unglücklichen Aufständen. Daher begannen sie die Messiaserwartung ernstlich zu bekämpfen. Sie machten die Ankunft des Messias von Bedingungen abhängig, die unerfüllbar sind3. Besonders bezeichnend ist folgender Satz: ,,Der Sohn Davids kann nicht eher kommen, als bis Israel die Hoff nung auf Erlösung aufgegeben hat.“4 5 Selbstverständlich ist es den geistigen Führern des Volkes nicht eingefallen, dem Volke die Hoffnung auf Erlösung zu nehmen. Sie wollten bloß Versuche zur gewaltsamen Herbeiführung der Erlösung, wie in früheren Zeiten, verhindern, was auch in öffentlichen Predigten oft und oft wiederholt wurde: ,,Gott beschwor Israel, daß es sich nicht gegen die Regierungen auflehne.“s Die Erlösung wird nicht auf natürlichem Wege durch menschliche Beihilfe, sondern bloß durch den Entschluß Gottes kommen: ״Gott sprach zu Israel: ihr habt den Tempel errichtet, nun ist er aber zerstört worden. So errichtet ihn nicht wieder, bis ihr eine Stimme vom Himmel hören werdet.“6 Das Streben der Führer des Volkes, die Messiaserwartung ihres Gegenwartscharakters zu entkleiden, machte sich schon zu der Zeit bemerkbar, als Bar-Kochba noch in Blüte war: ״So oft R. Akiba den Bar-Kochba erblickte, sagte er: dies ist der König Messias. Da sagte ihm R. Jochanan ben Torta: Gras wird aus deinem Kinn 1 Jerusch. Taanit IV 1, 68a; Threni r. 2, 2 ed. Buber 51a. Vgl. Synhed. 93b, wo Bar-Kochba selbst sich für den Messias ausgegeben haben soll. 2 Die Angabe Synhed. a. a. O. will natürlich keinen Anspruch auf historischen Wert erheben. 3 Vgl. Synhed. 97a—98a. * אץ בן דוד בא 4.. עד שיחיאשו מן הגאולה. Barajta Synhed. 97a, Sifre Deut. § 326, Midr. Tannaim S. 201. 5 Ket. lila; Gant. r. zu 2, 7; Midr. zutta ed. Buber S. 26 (= Ag. Schir ha-Schirim ed. Schechter S. 30). 6 שאמר הקב״ד. לישראל בניתם את בית המקדש.וחרב לא תבנו עוד עד שחשמעו קול מן השמים. Midr. zutta a. a. o.

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