Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 20)
- Language
- German
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123 Damit hängt die Nachricht des Hegesipp zusammen: Vespasian, Domitian und Trajan ließen alle Juden aus Davids Geschlecht mit großem Eifer aufspüren und hinrichten, damit das königliche Geschlecht, auf welches die Juden ihre Hoffnung setzten, ausgerottet werde* 1. Durch die Katastrophe im Jahre 68 erlitt natürlich die Messiaserwartung eine schwere Erschütterung. Außerdem waren die geistigen Führer des Volkes bestrebt, die Lebhaftigkeit und Gegenwärtigkeit der Messiashoffnung einzudämmen. In diesem Sinne sind folgende Aussprüche R. Jochanan ben Sakkais zu verstehen: ,,Zerstöre nicht die Gebäude der Heiden, damit du nicht gezwungen werdest, sie mit eigener Hand wieder aufzubauen. Zerstöre nicht ihre Gebäude aus Ziegel, damit sie dich nicht zwingen, sie wieder aus Stein herzustellen. Hast du einen Setzling in der Hand und man meldet dir, der König Messias ist da, so pflanze zuerst den Setzling und dann gehe und empfange den Messias. Sagen dir die Jungen: auf, wir wollen den Tempel wieder errichten, so höre nicht auf sie. Sagen dir die Alten: lasset uns den Tempel zerstören, dann gehorche ihnen. Denn das Bauen der Jugend ist eine Zerstörung, das Zerstören der Alten ist ein Aufbauen. Beweis: Rechabeam.“2 Das heißt: fanget mit den Römern nicht an, ihr werdet es teuer bezahlen; jeder Aufstand gegen die Römer vermehrt noch ihre Macht. Der Messias steht noch nicht vor dem Stadttor: Gebet daher nicht in Erwartung des fernen Ideals das geringe Sichere auf; hütet euch vor der Lebhaftigkeit und dem Trotz der Jugend, achtet auf die Erfahrung! aber war ,,das Orakel“ nichts anderes als die Messiaserwartung wenigstens eines Teiles des Volkes. Ich verweise bloß auf folgende zwei Autoren: Ps. Salomo 170מ: ,,Und er hält die Heidenvölker unter seinem Joche, daß sie ihm dienen“. Philo: ,,Denn ausgehen wird ein Mann, sagt die Weissagung, welcher zu Felde zieht und Krieg führt und große und volkreiche Nationen bezwingen wird“ (De praemiis et poenis § 16, ed. Cohn V 357 § 95). Andere Quellen bei Aptowitzer, Parteipolitik der Hasmonäerzeit S. 258 Anm. 99. So dachte Philo, der fast mehr Hellene als Jude war. Vgl. Leopold Cohn in Judaica, Festschrift für Hermann Cohen S. 303 ff., besonders aber Heinemann, ,,Die Lehre vom ungeschriebenen Gesetz im jüdischen Schrifttum“ in Hebrew Union College Annual IV 149 ff.; Philos griechische und jüdische Bildung in Festschrift zum 75jährigen Bestehen des jüdisch-theologischen Seminars Breslau S. 3 ff. und Jahresbericht 1929 des Breslauer Seminars S. 97 ff. 1 Hegesipp bei Eusebius, Hist eccl., Schürer3 I S. 660 f. Man könnte gegen die Geschichtlichkeit dieser Nachricht geltend machen, daß doch die Nachkommen Hilleis, die Patriarchen, die davidischer Abstammung waren, unbehelligt gehlieben sind. Aber dieser Einwand ist nicht allzu stark. : Denn die Patriarchen stammten nur von den weiblichen Angehörigen des Hauses David, was sowohl nach römischem wie nach dem offiziellen jüdischen Recht nicht als davidische Abstammung angesehen wurde. Vgl. darüber Aptowitzer, Spuren des Matriarchats im jüdischen Schrifttum, in Hebrew Union College Annual V S. 295 f. 2 Aboth R. Nathan II Rez. Kap. 31 ed Schechter 33b f.: הוא היה אומר אל תסתיר במותיהם נשל גויס] שלא חבנם בידך אל תסתור של לבדם שלא יאמרו לך בא ועשם של אבנים אם היתד, נטיעה בתוך ידך 'ואמרו לך הרי לך המשיח בוא ונטע אח הנטיעה ואח״ב צא והקבילו אם יאמרו לך הילדים נלך ונבנה בית המקדש אל תשמע להם ואם יאמרו לך הזקנים בואו ונסתור בית המקדש שמע לתם מפני שבדן ילדים סתירה וסתירת זקנים בנין ראיה רחבעם בן שלמה. Zum letzten Satz vgl. Meg. 31a.