Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 19)
- Language
- German
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122 Dann folgt die Schilderung seiner Persönlichkeit and der glückliehen Verhältnisse unter seiner Regierung1. Es war nämlich die Messiaserwartung damals wie früher und später keine Sehnsucht für die späte Zukunft, sondern Gegenwartshoffnung. Man erwartete den Messias wie man einen für kurze Zeit verreisten Freund erwartet: er kommt morgen, übermorgen, vielleicht aber auch schon heute, vielleicht ist er schon auf dem Wege in die Heimat. Nur auf diese Weise sind die zahlreichen Aufstände und Freiheitskämpfe kleineren und größeren Umfanges von Juda Makkabi bis Simon bar Kochba zu begreifen. Juda Makkabi hat sicherlich nicht geglaubt, daß er mit seinem geringen Häuflein kriegsungewohnter Schwärmer die syrische Großmacht niederringen werde. Aber er betrachtete sein Unternehmen bloß als erstes Geplänkel in dem Kampfe des Messias gegen Gog und Magog. Der Messias wird auf Wolken herbeieilen, um den syrischen Koloß zu zerschmettern. So verkündete Daniel und so dachte Juda, so fühlte er. Auch die Politiker und Freiheitskämpfer zur Zeit der römischen Bedrückung waren nicht so verblendet zu glauben, daß sie mit ihren schwachen Kräften etwas gegen das weltbeherrschende Rom werden ausrichten können. Aber sie betrachteten sich bloß als Rekognoszierungstruppe des großen Heeres des Messias. Der große Feldherr wird schon das Werk vollenden. Für den großen Krieg wird dies von den zeitgenössischen Schriftsteilem ausdrücklich bezeugt. So heißt es bei Josephus: ,,Was sie aber am meisten zur Empörung trieb, war ein zweideutiges Orakel in ihren heiligen Schriften: In jenen Tagen werde einer von ihren Grenzen ausgehen und die Welt beherrschen. Dies bezogen sie auf einen Einheimischen, und viele Schriftgelehrte wurden in der Erklärung irre. Offenbar zielte es auf Vespasian, der in Judäa zum Kaiser ausgerufen wurde/'2 * 1 17, 23—18, 10. 2 Bellum VI 5,4: To 03 i%äpw aüxobc pakioza itpoe; xov tzo\z\iov 6*ן3>(ץ<)ץ; «juptßoXoc o^glidc; iv toTs bpok eopYjiiivoc Ypcq1y.ac3tv, oje xaxct xov xaipov ixstvov d1uö x7jc '/0)p7c xt<; aoxtbv xyjc or/oupiv־^, Touxo 0׳ yiv 6ג<; öixsiov i^eXaßov xal izoXkoi x<Sv acxp&v sicXavTjfryjaczv 7uspt ״c^v xpiatv apa xyjv Oosaiuaatavoü x׳> Xoftov fflzpQviav, aicoSsr^&svxoQ eici''׳,IouBatac: otuxoxpaxopo;. Dasselbe berichten auch Tacitus und Sueton, mit dem Unterschied, daß jene Schriftsteller von einer im Orient verbreiteten Erwartung sprechen. Tacitus Hist. V 13: Pluribus persuasio inerat antiquis sacerdotum literis contineri, eo ipso tempore fore ut valesceret oriens profectiqüe Judaea rerum potirentur. Quae ambages Vespasianum ac Ti tum praedixerant; sed volgus more humanae cupidinis sibi tantam fatorum magnitudinem interpretati ne adversis quidem ad vera mutabantur. Sueton. Vesp. c. 4: Percrebuerat Oriente toto vetus et constans opinio, esse in fatis, ut eo tempore Judaea profecti rerum potirentur. Id de imperatore Romano, quantum posteaeventu paruit, praedictum Judaei ad se trahentes rebellarunt. Vgl. Schürer II4 604, 27. Schürer findet es ,,kaum zweifelhaft“, daß die römischen Schriftsteller mittelbar oder unmittelbar aus Josephus geschöpft haben. In Wahrheit ist diese Annahme nach allem, was wir über die Benutzung jüdisch-hellenistischer Schriftsteller durch Römer jener Zeit wissen, nahezu ausgeschlossen (zuletzt Heinemann in Pauly-Krolls Realenzyklopädie der Altertumswissenschaft Suppl. V 23 f. und Monatsschrift 1929, 450 f.). Josephus selbst hielt es anscheinend für zweckmäßig, von einem Orakel zu sprechen und es auf Vespasian zu beziehen. In Wirklichkeit