Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 18)
- Language
- German
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121 Natürlich ist Büchlers Erklärung die absolut richtige. Es lassen sich aber auch Büchlers Fragen positiv beantworten. Es hat in der Tat in jener Zeit einen rechtmäßigen Prätendenten auf den Davidsthron gegeben. Man wußte zwar nicht, wo er sich aufhält, in Palästina oder Babylonien oder auch anderswo, aber jedermann kannte ihn, jedermann nannte ihn bei seinem Namen und seine Anhänger erwarteten mit voller Zuversicht, daß er bald, heute, morgen erscheinen, die Usurpatoren vom Throne Davids verjagen und sein rechtmäßiges Erbe antreten werde. Der Name dieses Krön- Prätendenten war Messias ben David. In der Tat folgt auf diesen Protest gegen die hasmonäische Usurpation eine Bitte um Sendung des Messias: ״Sieh darein, o Herr, und laß ihnen erstehen ihren König, den Sohn Davids, zu der Zeit, die du erkoren, Gott, daß er über deinen Knecht Israel regiere. Und gürte ihn mit Kraft, daß er ungerechte Herrscher zerschmettere, Jerusalem reinige von den Heiden, die es kläglich zertreten V‘1 stein angeführten, ausführlich besprochen. In derselben Anmerkung sage, ich: ״Die Tradition kennt auch Hieronymus“. — Vielleicht findet sich die Erklärung von ״betonen“ und ״Tradition“ mit ״Schlagwort“ in den ״Resten gnostischer Schriften“ des Herrn Marmorstein. 3. Herr Marmorstein setzt seine ״Kritik“ meiner kritischen Methode fort: ״Ferner zur Gerichtsbarkeit der Priester (S. 131) dürften auch die an deren Bücher wie Ezech 4424, G h r 0 n 198 zu Rate gezogen werden“ (das.). Es ist wahr, daß auf S. 131 meines Buches, wo erst gegen Ende derselben meine Abhandlung über die Gerichtsbarkeit der Priester beginnt, die von Herrn Marmorstein angedeuteten Bibelstellen nicht Vorkommen. Herr Marmorstein aber verschweigt, daß Ez 4424 und Chron 198 in meinem Buche ausführlich besprochen werden, u. z. S. 135 f. und S. 273, 274. 4. ״Die Lehrer des dritten Jahrhunderts, wie R. Eleazar ben Pedath, R. Samuel b. Nahmani und R. Jochanan, versuchen die Sünde Abrahams zu entdecken, derentwegen seine Nachkommen 210 Jahre in Aegypten unterjocht worden sind. Die ״Verunglimpfungen“ sind verschiedener Art und widerspiegeln gewiß eher die Zustände des dritten Jahr־ hunderts als die der Zeit Abrahams. R. Eleazar b. Pedath wirft Abraham vor, daß er die Talmide Hakamim zum Frondienst gezwungen hat (b. Ned. 32a). Diese Behauptung ist gewiß schwerwiegender als so manche angebliche hasm. oder anti- 11 asm. Beschuldigung; vielleicht hat der Agadist einen Abraham im Auge., der die Gelehrten in Tiberias zum Frondienst zwang, ein Uebel, das aus der Wirtschaftsgeschichte, des dritten Jahrhunderts wohl erklärlich ist.“ (S. 478.) Schade nur, daß Herr Marmorstein die ״angeblich hasmon. oder antihasmon. •Angriffe“ nicht näher bezeichnet. So z. B., daß Aharon ein Ehebrecher genannt wird, daß er wegen seines Dienstes im Heiligtum des Todes schuldig war; daß Nadab und Abihu den Tod ihres Vaters und ihres Onkels herbeiwünschten, um selbst die Führerschaft zu übernehmen; daß auch die beiden anderen Söhne Aharons — denen die Bibel nichts Schlechtes nach- Zusagen weiß — den Feuertod verdient hatten; daß David die Abigail im Zustande der Menstruation zum Ehebruch aufforderte; daß Salomo keine» Anteil am künftigen Leben haben wird u. a. Was sind diese Lappalien gegen den Vorwurf, Talmide Hakamim zur Arbeit angehalten zu haben?! Wahrscheinlich denken die Agadisten an einen Aharon, König David und eine Abigail des dritten oder vierten Jahrhunderts, was aus der Wirtschaftsgeschichte jener Zeit wohl erklärlich ist. 1 Ps. Sal. 17, 21-—22 (Kautzsch, Apokryphen II 146).