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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 114

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 114 (sequence 11)
Language
German
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114 allein herrschen wird; aber im Mittelpunkt der nationalen Hoffnung stand politische Freiheit, irdisches Glück; ein freies glückliches Israel, um das sich alle Völker der Erde scharen werden, um sich zu seinem Gotte zu bekennen und so der Sittlichkeit und Heiligkeit teilhaftig zu werden: ״Und am Ende der Tage wird aufgerichtet sein der Berg des Hauses des Ewigen über den Bergen und er überragt die Hügel und es strömen zu ihm alle Völker. Und viele Völker werden zeigen und sprechen: Wohlan, lasset uns hinaufgehen zum Berge des Ewigen, zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege wir wandeln auf seinen Pfaden. Denn von Zion wird ausgehen die Lehre und das Wort Gottes von Jerusalem1/‘ Dies das geistig-sittliche Plimmelreich, das aber ohne das politischmaterielle Himmelreich — das Königtum Davids — nicht denkbar ist2. An Stelle dieses realen Inhaltes der nationalen Erwartung trat nun ein undefinierbares, überirdisches, mystisches Himmelreich, das ״nicht von dieser Welt" ist, trat die ,,Taufe im heiligen Geist3". Nun galt aber, wie wir aus anderen Stellen wissen4, die Lossagung vom Hause David zugleich als Abfall von Gott. So haben sich also die Judenchristen, indem sie die nationale Erwartung des Volkes aufgaben, sich auch vom Volke selbst und seinem Gotte losgesagt. Gleich am Anfänge der nationalen Bewegung (um das Jahr 64) verließ die Christengemeinde Jerusalem und wanderte nach einer heidnischen Stadt aus, zu einer Zeit, wo selbst die weltfremden Essäer sich der nationalen Sache anschlossen und aktiv am Kriege teilnahmen5. Genügt nicht schon diese Tatsache, um zu beweisen, daß die Judenchristen nicht die geringste Gemeinschaft mehr mit ihrem Volke hatten? Zur Zeit der Zerstörung des Tempels hat also die Loslösung der Judenchristen nicht, wie angenommen wird6, begonnen, sondern sie war damals schon eine längst vollzogene Tatsache. Daraus folgt, daß die Nachricht des Eusebius7, Bar-Kochba hätte die Judenchristen verfolgt, weil sie nicht am Aufstand gegen die Römer teilnehmen wollten, nicht richtig sein kann. Leute, die in offenem Haß gegen die Juden standen und die ihrerseits von den Juden dreimal täglich wegen ihrer Verleumdungen verwünscht wurden, zum Kriege gegen die Römer zu zwingen, hieße, von vornherein sich eine gründliche Niederlage sichern. Ein solch wahnwitziges Unternehmen darf man dem besonders mißtrauischen Bar- Kochba nicht zumuten. Vgl. seinen Verdacht gegen R. Eleazar aus 1 Jes 22-3; Micha 4!־.,. * 2 Ygl. w. ־unten.' 3 Acta 1, 5. 4 Vgl. Aptowitzer, Monatsschrift, 1929, S. 100. 5 Josephus, Bellum 2, 20, 4. 6 Vgl. Bergmann, Jüdische Apologetik, S. 27: ,,Die Loslösung der Judenchristen vom Judentum hatte unterdessen mit der Zerstörung des Tempels begonnen. Unter Bar Kochba brachten die Judenchristen ihre Gesinnung offenkundig zum Ausdruck, indem sie die Teilnahme an dem Freiheitskriege verweigerten und sich dadurch endgültig vom Judentum lossagten.“ 7 Chron. ed. Schoene II 168 sq: Qui dux rebellionis Iudaeorum erat Cochebas, multos e Ghristianis diversis suppliciis affecit, qui nolebant procedere cum illo ad piign.am contra Romanos.

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