Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 113 (sequence 10)
- Language
- German
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113 Gebetes, den Judenchristen den Aufenthalt in der Synagoge zu verleiden oder ganz unmöglich zu machen/'1 Wenn aber, wie hier gezeigt wurde, schon in den Anfängen des Christentums Maßnahmen mit Rücksicht auf das Christentum und Maßregeln gegen die Christen getroffen wurden, so muß man notwendig voraussetzen, daß schon zu jener Zeit die Judenchristen eine besondere, kenntliche Gruppe mit eigener Organisation und eigenen Versammlungsorten bildeten und mit der Synagoge nichts zu tun hatten; hier und da mag sich ein Judenchrist in die Synagoge verirrt haben, der eine, weil er vielleicht in seinem neuen Glauben noch nicht ganz befestigt war, der andere, um geheime Propaganda zu machen. Im ganzen aber war die Trennung zwischen Juden und J udenchristen schon in den ersten Zeiten des Christentums vollzogen worden. In der Tat wissen wir, daß es in Jerusalem schon in der Urzeit des Christentums eine Gemeinde mit Aeltesten und Jakobus, dem 'Bruder Jesu, an der Spitze gegeben hat2, daß sie ihre Versammlungslokale hatten, in denen sie ihre Sonntagsgottesdienste abhielten3. Die Lostrennung des Judenchristentums vom Judentum erfolgte nicht, wie gemeinhin angenommen wird, erst zu der Zeit, da Jesus als Sohn Gottes aufgefaßt und mit göttlichen Attributen ausgestattet wurde, sondern schon zu der Zeit, als er noch rein menschlich der Sohn Davids war. Grund zur Trennung war genug vorhanden: 1. Der Antinomismus4, 2. Die Feindseligkeit gegen den Tempel. Zwar hatten auch die Pharisäer und mit ihnen das Volk allen Grund, mit manchen Zuständen im Tempel und mit dem Priestertum, besonders mit dem Hohepriestertum, in den letzten Jahrzehnten des Tempels unzufrieden zu sein und suchten dessen Macht und Einfluß zu Schwächen5, aber der Tempel selbst als zentrale Kultstätte und als Wahrzeichen der nationalen Einheit war dem ganzen Volke heilig und unantastbar. 3. Der Glaube an die Messianität Jesu. In einer Zeit schwerer nationaler Not, unter dem Joch eines heidnischen Bedrückers zu glauben, daß der Messias schon gekommen war, war ein Hohn auf die nationalen Hoffnungen des Volkes. Die Messiaserwartung des Judentums war politisch-nati onal: Ein vereinigtes Israel in politischer Freiheit und materiellem Glück. Gewiß war mit dieser Hoffnung auch die Erwartung verbunden, daß sich alle Völker der Erde zum einig-einzigen Gotte, dem Gotte Israels, bekennen werden, das Böse verschwinden und die Sittlichkeit 1 Der jüdische Gottesdienst S. 252 f. Vgl. auch Jawitz, Toledoth Israel IV» S. 98. Es ist das die Summe der Ausführungen Graetz’ IV (Kap. 5), S. 96 ff.» Derenbourg, Essai 344 f., 347 ff., 354 f.: ,,La malediction contre les|minim» que R. Gamliel introdiusit dans la priere principäle, avait la meme liut; eile devait surtout contribuer ä ecarter, les judeo-chretiens de la teba ou du pupitre oü se tenaient les officiants, les lecteurs et les predicateurs“! 2 VgL Acta 2118. Vgl. Harnack, Mission und Ausbreitung des Christen־ tums, S. 413 f.; Knopf in ״Die Schriften des Neuen Testaments“ ed. Joh. Weißj S. 633 u. a. 3 Vgl. oberi^S. 111 Anm. 2. Vgl. Acta 246; 4al; 1212. Vgl. Bultmann in Die Religion in Geschichte und Gegenwart V Sp. 1521. 4 Vgl. oben sub. L 5 Vgl. Apiowitzer, Parteipolitik der Hasmonäerzeit S. 180 f. Monatsschrift, 74. Jahrgang. 8