Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 112

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 112 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829967-2829970-2835930--49643-2836023
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

112 Er beruft sich dafür auf den Satz in Soferim. Er hat aber übersehen, daß der Redaktor des Tr. Soferim selbst diesen Satz ganz anders verstanden hat. Auch seine Auffassung ist nicht richtig, weil sie den historischen Tatsachen widerspricht, an sich aber hat sie einen Sinn. Was aber Jawitz sagt, ist ganz unfaßbar. Wenn er auch die Nachrichten über die Verfolgungen der ersten Christen nicht kennt oder nicht als historisch anerkennt, so hätte er sich die Frage vorlegen müssen: Was galt in den Augen der Juden der Glaube an Jesus? Hielten sie diesen Glauben für richtig; was hinderte sie, ihn anzunehmen? Hielten sie ihn aber für einen Irrglauben, wie konnte es ihnen einfallen, auf den Irrglauben eines geringeren Häufleins soviel Rücksicht zu nehmen, daß sie sogar eine Aenderung in ihrem Kultus Vornahmen? IV. Zweck der Einführung von בלכת המינים. Was aber Jawitz׳ Auffassung des Verhältnisses zwischen Juden und Judenchristen in der ersten Zeit des Christentums betrifft, so ist dies die geläufige Ansicht: wird doch als Zweck der Einführung von Birkat ha-Minim der Wunsch angegeben, zwischen Juden und Judenchristen eine Scheidung herbeizuführen. So heißt es bei Elbogen: ,,Weitere Neuerungen ergaben sich aus der religiösen Bewegung jener Tage. Die Auseinandersetzung mit dem jungen Christentum ließ sich nicht länger aufschieben, die Judenchristen besuchten nach wie vor die Synagoge, führten dort Bräuche ein, durch die sie die Beterirre machten (Meg. Ende). Ihrem Glauben an den auferstandenen Christus entsprechend, der, je länger die Bewegung dauerte, immer mehr göttliche Attribute annahm, erweiterten sie die schlichte Berachaformel in der Weise, wie wir es in den erhaltenen Resten alter christlicher Gebete häufig antreffen, die sehr nahe ans Heidnische streifen. Endlich benutzten sie, wie schon das Beispiel der Apostel zeigt, wie sich aber auch aus späteren Nachrichten ergibt, die Synagoge als günstige Gelegenheit für ihre Propaganda; sie fungierten, wie die anderen Gemeindemitglieder, als Vorbeter Und Prediger, sie waren so in die Lage versetzt, ihren Ideen Ausdruck und weite Ver־ breitung zu geben. Gegen das Jahr 100 kam es zur ernstlichen Trennung, die Judenchristen wurden aus der Synagoge verwiesen. Eine der Abwehrmaßregeln war die Einführung des Gebets gegen die Minäer ברכת המינים, das Gamliel II. in Jamnia durch Schemuel ha-Katan abfassen ließ. . . Es war der ausgesprochene Zweck dieses Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs anbeteten, empfunden haben sollten.“ Aber die Kenner des Talmud wissen, daß von Kontroversen zwischen Juden und Häretikern, wie sie Frei mann zeichnet, in vorchristlicher Zeit keine Spur vorhanden ist. Die ersten Zusammenstöße zwischen Juden und Häretikern stammen aus dem Anfang des zweiten Jahrhunderts, R. Gamliel II., R. Tarphon u. a. Einige Monate später (Monatsschrift 1911, S. 555) schreibt M. Freimann: ,,Die Schriftgelehrten umd Pharisäer standen vielmehr von Anbeginn dem Christentum kühl und indifferent gegenüber.‘4 So rasch ist die Sympathie verraucht?! ’

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.