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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 111

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 111 (sequence 8)
Language
German
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111 Sonntags bestärkt werden; es ist also direkter Protest gegen ihre Lehre gemeint1. Für die christliche Urgemeinde war der Sonntag der ,,Tag des Herrn“, da nach ihrem Glauben die Auferstehung Jesu am Sonntag erfolgt war. Sie hielten gemeinsame Gottesdienste und Mahlzeiten2 an diesem Tage ab. Um nun nicht den Schein aufkommen zu lassen, daß auch die Juden ihrerseits dem Sonntag eine Bedeutung beilegen, indem sie sich zu religiösen Uebungen versammeln, haben die Standmannschafter auf ihre Versammlung an diesem Tage verzichtet. Das Mißverständnis entstand aus dem Texte des Trakt. Soferim, wo nicht mehr von Versammlung, nur bloß vom Fasten die Rede ist. Ich fand den Grundgedanken der vorstehenden Ausführungen nachträglich bei R. Samuel Edels zur St. Er zitiert die Erklärung Raschis, wie sie in den Talmudausgaben lautet, und bemerkt: ,,Dies darf nicht so verstanden werden, daß sie uns deshalb, weil wir an ihrem Feiertag fasten, verleumden würden, da es sich hier um die Zeit des Tempelbestandes handelt, wo wir die Oberhand über sie hatten: gemeint ist bloß, daß die Standmannschaften keine Arbeit an ihrem Fasttage verrichteten, woraus die Christen ableiten könnten, daß auch die Juden den Sonntag als Feiertag ansehen3.“ Rabbi S. Edels hat wohl die Stelle im Traktat Soferim übersehen, sonst hätte er es bestimmt nicht gewagt, eine andere Erklärung zu geben, wofür ihm R. Jesaja Berlin einen leisen Vorwurf macht4. Eine ganz sonderbare Auffassung der Angabe מפני הנוצרים finde ich bei Jawitz5: Das Verhältnis zwischen Juden und Judenchristen in der ersten Zeit des Christentums war ein derart gutes, ja herzliches, daß die Juden darauf bedacht waren, in ihrem Gottesdienste nichts zu tun, was irgendwie die Judenchristen hätte verletzen können. Daher haben sie das Fasten am Sonntag unterlassen5. 1 Ein Seiten- und Gegenstück dazu ist Didache 8, 1: ,,Eure Fasten aber sollen nicht mit denen der Heuchler stattfinden, denn sie fasten am zweiten und fünften Wochentag. Ihr aber sollt am vierten und am Rüsttag fasten.“ (Hennecke, Neutestamentlicbe Apokryphen1 S. 191.) 2 Vgl. Zöckler in Pauly-Wissowa, Real-Enzyklopädie Bd. 18, S. 521. Vgl. auch Meinhold, Sabbat und Sonntag (in ,Wissenschaft und Bildung‘ 45), SS. 60, 62, 63, 68 f., 105. אין לפרש משום שיעלילו עלינו שאנו מתענין ביריבו שלהם דהא בזמן שבהמ״ק קיים 3 קיימינן דידינו תקיפה עליהם אלא די״ל שאנשי משמר לא עשו מלאכה ביום תעניתם וחששו .שלא יאמרו שאנשי משמר מחזיקין אותו ג״כ כי״ט שלא לעשות בו מלאכה 4 Ozar Balum im En Jakob ed. Wilna 1883. 5 Toledoth Israel VI, S. 89 f.: ואנשים היו מראשי חכמי ישראל אשר שמו לב להשמר בדעת נקיה מאד לבלתי עשות גם בעבודת ד,4 תמימה דבר אשר יוכל להחשב בעיניהם כעין פגיעה בכבוד הנוצרים. Aehnlich meint auch M. Freimann, Monatsschrift, 1911, S. 311 f.: ,,Diese (die Kenner des Talmud) werden es aber auch nicht mehr paradox finden, daß die pharisäischen Gesetzeslehrer, die in ihrer eigenen Mitte gegen ketzerische, gesetzesverachtende, die Auferstehung leugnende und ditheitisch gerichteten Juden schwer zu kämpfen hatten, Sympathien für die asketisch-frommen Messianisten, die treu zum Gesetz hielten, den Glauben an dh Auferstehung zum Kardinaldogma machten, den einzigen

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