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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 110

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 110 (sequence 7)
Language
German
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110 nahmen mit Rücksicht auf die Christen getroffen wurden, und zwar in demselben Sinne, wie die Aufhebung des Dekaloglesens erfahren wir aus folgenden Angaben: III. Die älteste sicher bezeugte kultuelle Aenderung mit Rücksicht auf die Christen. In einer Barajta heißt es: ,,Die Standmannschaften versammelten sich im Bethause und hielten vier Fasttage ab, am zweiten Tag der Woche, am dritten, vierten und fünften . . . am Rüsttage des Sabbat haben sie nicht gefastet mit Rücksicht auf die Ehre des Sabbat, um so weniger am Sabbat selbst/'1 Dazu wird im Talmud die Frage aufgeworfen: ,,Warum nicht am ersten Tag der Woche?" Worauf R. Jochanan antwortet: ,,Wegen der Christen."2 Die Antwort R. Jochanans wird in dem R. Gerschom zugeschriebenen Kommentar folgendermaßen erklärt: ,,Weil ihr Feiertag am ersten Tag der Woche ist, so hätten sie gezürnt, wenn die Juden an diesem Tage gefastet hätten." So auch Pseudo-Raschi3. Wahrscheinlich ist dies auch gemeint in der kurzen Bemerkung R. Chananels: ״Weil es ihr Feiertag ist." Dieser Erklärung folgen auch die Modernen4. Die Erklärung stammt aus Traktat Soferim5. Dort heißt es folgendermaßen: ״Eine andere Erklärung wegen der Christen: Damit sie nicht sagen sollen, weil wir uns am ersten Tag der Woche freuen, fasten sie an demselben Tage."6 Aber diese Erklärung kann unmöglich richtig sein. Zur Zeit des Tempels und auch noch Jahrhunderte nach der Zerstörung des Tempels waren die Christen in Palästina so gering an Zahl und Ansehen7, daß der Gedanke an Rücksicht auf ihre Feindschaft absolut ausgeschlossen ist. Vielmehr wurden sie von den Juden verfolgt3. Und selbst das Unmögliche zugegeben, war das Fasten an sich durchaus nicht geeignet, Feindschaft hervorzurufen, da man nicht feststellen konnte, ob einer nüchtern sei oder nicht. Der erste Einwand wird schon im Traktat Soferim selbst hervorgehoben: ״Aber die Gelehrten wenden ein, daß man zur Zeit der Standmannschaften die Feindschaft der Christen nicht zu befürchten hatte."8 Was noch der einige Jahrhunderte später schreibende Redaktor des Tr. Soferim gewußt, war auch R. Jochanan bekannt. מפני הנוצרים ist daher anders zu verstehen, und zwar in dem Sinne, daß die Christen nicht in ihrer Meinung von der Bedeutung des 1ךאכשי מעמד מתככסין לבית הכנסת ויושבין ד, תעניות בשני בשבת בשלישי ברביעי ובחמישי Taan. 27b. 2 ובאחד בשבת מ״ט לא אמר ר׳ יוחנן מפני הנוצרים. 3 שעושים אותו יום חג וכי חזו דמתענין ביוב חגם אתו לידי סכנה. So in En Jakob ed. Wilna 1883. In den Ausgaben bloß: שעושים אוחו יום חג. 4 Vgl. die Wörterbücher s. v. נוצרים und Joel Müller zu Sopherim. 5 17, 5; Machsor Vitry S. 711. 6 ד״א מפני הנוצרים שלא יאמרו על בי אנו שמחים בראשון הן מתעדן בו. Text nach MV; in den Ausgaben vielfach unkorrekt. 7 Vgl. Harnack, Mission und Ausbreitung des Christentums S. 413, 417, 420, 421, 426. .אבל אמרו חכמים בזמן' המעמדות שלא היו חוששין לאיבת גוי 8

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