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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Bemerkungen zur Liturgie und Geschichte der Liturgie
Date
1930-01-01
Page
Seite 108 (sequence 5)
Language
German
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108 Zur Abschaffung des Brauches des täglichen Dekaloglesens in der Synagoge ist noch folgendes zu bemerken: Mann1 schließt aus dem spätestens aus dem zweiten Jahrhundert stammenden Papyrus Nash, daß der Brauch des täglichen Dekaloglesens in Aegypten nie auf gehört und sich bis Anfang des 11. Jahrhunderts erhalten hat, trotz des Protestes seitens der Rabbinen (,,in spite of the objections of the Rabbis“). Ich meine aber, daß der Brauch in Aegypten nicht trotz des Verbotes der palästinensischen Gelehrten beibehalten wurde, sondern deshalb, weil die Ursache des Verbotes in Aegypten nicht vorhanden war. Es ist nämlich höchst wahrscheinlich, daß zur Zeit der Aufhebung des Brauches in Palästina, selbst nach der geläufigen Annahme, daß sie erst am Anfänge des zweiten Jahrhunderts erfolgt ist, es in Aegypten keine so große Anzahl von Christen gegeben hat, auf die man hätte Rücksicht nehmen müssen, da, wie wir wissen, eine Kirche in Aegypten erst seit 180 bekannt ist2. Wahrscheinlich wurde auch in Aegypten, zur Zeit als dort Christen in größerer Anzahl und von größerer Bedeutung vorhanden waren, der Brauch des täglichen Dekaloglesens aufgehoben, ebenso wie in Palästina. Daß wir den Brauch noch am Anfang des 13. Jahrliunderts in manchen Synagogen Aegyptens finden, beweist nichts für die ununterbrochene Existenz desselben. Es ist leicht anzunehmen, daß er erst mit der Besitznahme Aegyptens durch die Mohammedaner wieder eingeführt wurde, welche Möglichkeit Mann selbst für Palästina annimmt3. Auf die anderen hochinteressanten Ausführungen Manns zu unserem Thema kann ich jetzt bloß verweisen. .ברפת המינים .11 Für die Annahme, daß die Aufhebung des Dekaloglesens erst nach der Zerstörung des Tempels, und zwar zur Zeit R. Gamliels II. erfolgte, ist die Einführung der Birkat ha-Minim maßgebend; so Joel und so auch bei mir. In Wirklichkeit läßt sich aber mit Sicher־ heit behaupten, daß auch Birkat ha-Minim viel älter ist, als die Zeit R. Gamliels II. Die Hauptstelle über Birkat ha-Minim lautet wie folgt: ״Simon der Flachsarbeiter'hat vor R. Gamliel in Jabne die 18 Benediktionen in ihrer Reihenfolge vorgetragen. Da sprach R. Gamliel zu den Gelehrten: Gibt es unter euch jemanden, der Constitutiones. Vgl. Aptowitzer, MGWJ 1929, S. 112, 113, Anm.) den Dekalog als das Sittengesetz, ohne dabei den Sabbat aus- und die Nächstenliebe einzuschließen; gemeint ist eben der Grundstock des Dekalogs. Dasselbe sehen wir in den Evangelien: Dekalog minus Sabbat plus Nächstenliebe. Was übrigens die letztere betrifft, so zeige ich in meinem Aufsatz in REJ, auf den ich S. 105 Anm. 3 verweise, daß ואהבת לרעך als Aequivalent von לא תחמוד, also als Bestandteil des Dekalogs gefaßt wurde. In der Praxis abe״־* finden wir wohl eine Uebertretung der Speisegesetze (Petrus), nicht abef eine Verletzung des Sabbat. Also war der Sabbat als Dekalogsatzung doch höher als die Speisegesetze.“ 1 Hebrew Union College Annual II 284. 2 Vgl. Harnacks Mission und Ausbreitung des Christentums S• 448 f, 3 Hebrew Union College Annual IV 289, ,

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