Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zum Machsor Jannai
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 103 (sequence 10)
- Language
- German
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- Yanai 1× ep/1033832
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103 Gedichten nachweisen können als Bamidbar Rabba, mit dem sie überraschenderweise übereinstimmt, nicht aber mit den älteren Midraschim Tanchuma ־and Wajjikra Rabba. Wird man, weil wir heute keine andere Quelle für diese Stelle anzugeben vermögen, deshalb ohne weiteres annehmen, daß Jannai den späten Midrasch in der uns vorliegenden Gestalt mit seinem Kalirzitat1 tatsächlich benutzt hat? Aber wir tun das leichtfertig mit der Kirkisaniaussage. Gesetzt, daß die verdächtige Stelle eine inhaltlich-sachliche Uebereinstimmung zwischen Jannai und Anan bewiesen hätte, so ist dadurch noch gar nichts über ihren zeitlich-historischen Zusammenhang ausgesagt. Besonders vorsichtig wird man mit dieser Identifizierung zweier verschiedener Begriffe in halachischen Erörterungen sein müssen, die nicht mit historischen Kategorien arbeiten, sondern sich meistens in einer überzeitlichen Idealität bewegen, in der es ״kein Früher und kein Später”, nur das ewig geltende Gesetz gibt. Hai, oder besser Kirkisani ist es offenkundig darum zutun, die Rechtgläubigkeit Anans zu demonstrieren, was er durch angebliche Uebereinstimmung mit rabbinischen Autoritäten zu beweisen sucht: ist es nun ganz so sicher, daß jene Zeit, wie wir historisch gedacht, und es vermieden hätte, eine nach-Anansche Quelle anzugeben, wenn sie die rabbinische Untadelhaftigkeit Anans damit hätte erweisen können? Oder ist es ganz so sicher, daß sie genau davon unterrichtet sein mußte, ob Jannai vor oder nach Anan zu datieren wäre? Kurz und gut: die Stelle aus Kirkisani darf leider nicht als terminus ad quem für Jannai gelten: sie besagt nicht, daß Anan den Machsor Jannai tatsächlich benutzt hat, und demgemäß auch nicht, daß die Liturgien Jannais um 770 bereits in Babylonien verbreitet waren, und hindert also auch gar nicht, Jannai nach 700, ja selbst nach Anan anzusetzen. Aber andere, landschaftliche, liturgische und sprachliche Momente sprechen für eine frühere Datierung Jannais, etwa in die Grenze, die mit gutem Kennerblick H. Brody angenommen, der ihn am frühesten angesetzt oder selbst früher, worüber ich des Näheren demnächst in meiner kritischen Ausgabe Kalirs zu berichten hoffe. Ich kann also die Deutung Kobers für den oben zitierten Vers nicht richtig finden. Schon sprachlich nicht richtig. Denn על כל אומה heißt hier doch offenbar dasselbe wie im letzten Verse desselben Gedichtes הפוך על כל עמים שפה כרודה ליחדך. Weiterhin will mir scheinen, daß Kober wiederum meinem Freunde, dem Korrektor, Unrecht tut: er las nämlich ותפיל אימה על כל אומה, was K. mit den Worten abtut: ,,das Motiv für diese Korrektur wohl die zu deutliche Römer-(Byzantiner-)Feindlichkeit des Textes”. Wie aber, 1 Nebenbei: Zunz hielt Bamidbar Rabba schwerlich älter als das 12. Jhdt., verständlich zur Zeit der gottesdienstlichen Vorträge, wo er noch mit Rapoport Kalir nach Italien um 970 versetzte. Da er die angeblich aus Werken französischer Rabbinen geflossenen Stellen schon selber aus alten Quellen belegen konnte, wird man die Datierung des Midrasch als viel zu spät annehmen müssen. Uebrigens, ganz genau genommen, obwohl äußerst unwahrscheinlich, kann es ja möglich sein, daß Jannai seinen Schüler Kalir überlebt hat, wofür vielleicht die oben erwähnte Sage vom Tode Kalirs vor Jannai ein geschichtliches Körnchen enthalten könnte.