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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 98

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Zum Machsor Jannai
Date
1930-01-01
Page
Seite 98 (sequence 5)
Language
German
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98 schöne Gleichklang des letzten Versgliedes spielt an die aggadische Deutung der zwei Bibelverse Gen 7ד und .816 an, deren verschiedene Reihenfolge der Aufzählung folgenderweise erklärt wird(Jer. Taanith 1 64 d): נדו בכניסתו לתיבה נאסרה לו תשמיש המיטה ... וביציאתו הותרה לו תשמיש המיטה, vgl. desgi. bab. Sanh. 108b; Gen. R. 31, 34, 36; Midr. Hagadol, Noah 8, 16; Tanch. z. St. 6. Keroba B, Ia (S. 14): t ישמיד צריו, ישמור צוריו, ימגר צורריו, ימגן נצוריו Diese Uebergangsstrophe zur Benediktion מגן unterbricht das alphabetische Akrostichon, das mit dem Buchstaben ל geendet und dann weiter nach dieser Uebergangsstrophe mit מ regelrecht fortläuft, mit einem scheinbar unzusammenhängenden ישמיד. Aber dem ist nicht so, wie Davidson in seiner Analyse der Kerobastruktur bei Jannai ausführlich dargelegt. Die Bibelverse des vorangehenden Abschnitts enden mit Ps 14520: ואת כל הרשעים ישמיד, dessen letztes Wort der Dichter auffängt und fortsetzt: 0ישמיד צריו ו. Das gleiche Verfahren, vielleicht als Wettgesang zwischen Gemeinde und Vorsänger zu verstehen, wie Dukes1 in anderem Zusammenhang vermutete, und das offenkundig den ursprünglichen Jannaitext bildet, hätte hervorgehoben werden sollen; also ist in Keroba C vor Ia (S. 16) Pr 1719 bis zum Wort שבר zu ergänzen, womit der Uebergangsvers zur Benediktion beginnt, dortselbst Ila, wo II Sa 23 mit עלילות endet, und dgl. E Ia (S. 24), das mit dem Schlußwort von II Chr lö6 בכל צדה beginnt. Dieser charakteristisch Jannaische Zusammenhang von Bibelvers und Piut, den Kober mit ungerechtem, weil allgemeinen Vorwurf ,,bei den bisherigen Piut-Editionen nicht berücksichtigt” (S. 7) findet, ist ihm auch noch dort entgangen, wo er vom typischen Aufbau der Keroboth als Beweismoment für die Urheberschaft Jannais spricht. Die neuen Jannaistücke machen es wahrscheinlich, daß Jannai seine Keroboth, von unwesentlichen Verschiedenheiten abgesehen, nach gleichem Aufbau gedichtet hat. Hängt das mit ihrer Sang weise zusammen? Die Texte, die Levias und dann zum zweiten Male Kahle behandelt hat, besaßen wahrscheinlich denselben Zusammenhang von Bibelvers und Schlußwende, der aber durch das Fortlassen der Bibelzitate (was ja in gedruckten Machsorim leider die Regel geworden) entstellt wurde. Allerdings geht es nicht an, die Bibelverse mechanisch nach der Konkordanz zu ersetzen, wie Kahle, wenn auch vermutungsweise vorschlägt2; die Beziehung zwischen Piut wie Midrasch und Bibelstelle ist organischer zu denken, sie ist intim und oft sehr geistvoll. Das Bibelzitat wird im Piut verwertet oder angespielt und dann midraschartig als Beleg angeführt: es verbürgt gleichsam die Wahrheit der dichterischen Rede. Ferner beweisen die neuen Jannaistücke, daß die Schlußstrophe nicht erst seit Kalir, aber auch schon bei Jannai oft viergliedrig ist. Das bezeugten schon die Gedichte, die Davidson in גנד שצבמצר 1 Ehrensäulen, S. 5. 2 Kahle a. a, O. 89.

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