Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 12)
- Language
- German
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92 jüdische Friedhof, der 1689 angelegt, inmitten des alten prächtigen Gutsparkes malerisch als Enklave erhalten ist, weist Grabsteine auf, ,,die zu den besten zählen, was die Barocke auf dem Gebiete der Grabsteinkunst geschaffen hat“. Desgleichen gehören die Steine des 1761 in Breslau Claassen-Straße auf Befehl Friedrich des Großen angelegten jüdischen Friedhofes zu den Besten, was das Rokoko und der klassizistische Stil auf deutschen Friedhöfen hervorgebracht hat. Durch die guten Abbildungen der Grabsteine wird der Wert des Buclies noch erhöht. Auch aus der Geschichte der Randgebiete des ehemaligen deutschen Reiches seien hier einige, Schriften erwähnt. Ein Stück Heimatgeschichte gibt uns Louis Lewin in seinem Werke: ,,Die Landessyn o d e der großpolnischen Juden schaff“ (Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, 1926). Es besteht aus einer Abhandlung und Vorzugsweise hebräischen Urkunden, die größtenteils dem Archiv der Synagogengemeinde Posen entstammen. Großpolen, von dem die Abhandlung redet, ist das Land zu beiden Seiten der Warthe, u. a. mit den Woyewodschaften Posen, Gnesen, Kalisch, wo die Wiege Polens stand. Großpölen nannten die Juden, die hier um das Jahr 1000 ansässig waren, auch das ,,Stift Posen“. 1793 kam der Süden und Osten Großpolens unter dem Namen Südpreußen an Preußen, 1815 wurde das Posener Land Preußen einverleibt. Durch den Weltkrieg ist es wieder an Polen gelangt. Lewin gibt uns einen trefflichen Ueberblick über die Juden in Großpolen, die Entstehung und Ent- Wicklung der Landessynode, die Landesrabbiner, die für Lehre und Recht sorgten, die Landesältesten, die die weltlichen Interessen pflegten, die Ausläufer der Synode — ihre bedeutsame Tätigkeit reichte von 1592—1802. Er teilt uns auch aus der Finanzgeschichte der Synode Wichtiges mit. Jedenfalls wird uns durch die Arbeit Lewins die Bedeutung Großpolens bezw. der früheren Provinz Posen für das deutsche Judentum wie auch für die jüdische Gesamtheit in Vergangenheit und Gegenwart von neuem klar. Ein Zeit- und Lebensbild aus der Geschichte der Juden in Böhmen z. Zt. Maria Theresias hat Samuel Krauss in seinem Werke: ״Joachim Edler vonPopper“ (1926) uns gegeben. Joachim Edler von Popper ist in Prosnitz ca. 1715/20 geboren, hat in Prag als Bankier, Tabaksgefälls-Mitpächter und Fabriksherr, vor allem aber als Primator der böhmischen Landesjudenschaft eine große Rolle gespielt. In dieser Stellung wurde er 1774 durch Hofdekret bestätigt. 1790 wird er in den Adelsstand erhoben. Sein Testament wie seine Familiengeschichte wird von dem Verfasser eingehend gewürdigt. Das Werk wurde als Familiengeschichte gedacht und in einem Stil geschrieben, der, wie Verfasser selbst sagt, zwischen einer leichten Lektüre und wissenschaftlichem Erfordernis die Mitte hält. Bedeutungsvoll für die historische Forschung im allgemeinen ist der zweite Band der von Sändor Wolf herausgegebenen ,,Eisen- Städter Forschungen“: ,,Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Eisenstadt und den Siebengemeinden“, Wien und Leipzig (1926), Er ist bearbeitet von dem durch seine Werke ,,Die Inschriften des Alten