Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 90 (sequence 10)
- Language
- German
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90 sonstigen jüdischen Sammelpunkte von Brandenburg-Preußen hinaus. Blieb PL auch nur eine ansehnliche Mittelstadt, um so bemerkenswerter ist das rasche Anwachsen der jüdischen Gemeinde — sie zählt i. J. 1740: 207 Familien — und erhält weit mehr als lokale Bedeutung. Hatte B. H. Auerbach die geistigen und religiösen Verhältnisse der Gemeinde gezeichnet, so werden von Köhler auf Grund der in den preußischen Staatsarchiven Berlin und Magdeburg ruhenden Quellen.die rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der H. Judenschaft im 17. und 18. Jahrhundert eingehend untersucht. Auf die berühmteste jüdische Persönlichkeit der Gemeinde, Berend Lehmann, fällt neues Licht. Somit füllt Köhlers Arbeit eine bisher fühlbare Lücke aus. Die Geschichte der schlesischen Juden, die in M. Braun ihren klassischen Vertreter hatte, wird von Israel Rabin: ,,V o m Rechtskampf der Juden in Schlesien (1582—1713), wissenschaftliche Beilage zum Bericht des Jüdisch-theologischen Seminars Fraenckel’scher Stiftung für das Jahr 1926 (Breslau 1927) in dankenswerter Weise fortgeführt. Von der allgemeinen Vertreibung aus Schlesien i. J. 1582 blieben nur die Juden von Groß Glogau, Zülz und Beuthen a. d. O. verschont. In seiner Geschichte der Juden in Schlesien (S. 206) hatte Brann noch der Glogauer Gemeinde einen ausführlichen Abschnitt gewidmet, in seinem Aufsatz in der Festschrift zum 70. Geburtstage Jakob Guttmanns (1915, S. 225 ff.) die schlesische Landgemeinde während des 17. und 18. Jahrhunderts behandelt. Rabin schildert uns nun in der Hauptsache die Kämpfe der Zülzer Gemeinde um ihre Privilegien während des 17. Jahrhunderts. Sie erfreuen sich zwar der Gunst ihrer Grundherren, aber im übrigen werden sie angefeindet und durch Steuern außerordentlich gedrückt. Das Privileg, das Kaiser Ferdinand II. i. J. 1627 den Juden Prags, Böhmens und Schlesiens erteilt und worin er ihnen volle Bewegungsfreiheit zusichert, erweckte in den Zülzer Juden den Wunsch, es auch für ihre Gemeinde bestätigt zu sehen; aber ihre Bemühungen blieben erfolglos. Ein halbes Jahrhundert ist von ihnen eine einheitliche Aktion nicht mehr unternommen worden. Die schlimmen Zeiten des 30 jährigen Krieges brachten zahlreiche jüdische Flüchtlinge nach Schlesien; von einer allgemeinen Austreibung konnte nicht mehr die Rede sein. Als nun die Zülzer Juden um die Bestätigung des Prager Privilegs bitten, treten sowohl ihr Grundherr wie der Landeshauptmann und das Oberamt für sie ein, aber in den Kreisen der Geistlichkeit, der Fürsten, der Stände, der Stadt Breslau, der Erbfürstentümer und der königlichen Stätten wünscht man die allgemeine Vertreibung der Juden aus Schlesien. Der Kaiser hat jedoch das Prager Privileg fast uneingeschränkt auf die Zülzer Juden, deren Zahl damals etwa 1000 betrug, ausgedehnt. In diesem hin- und herwogenden Kampfe haben fiskalische Gründe die größte Rolle gespielt. Von bürgerlicher Gleichberechtigung ist in dem Prager Privileg nicht die Rede, kann um so weniger die Rede sein, weil ja die verschiedenen Stände im 17. Jahrhundert verschiedene Rechte hatten. Das Heimatrecht spielt insofern eine Rolle, weil nicht nur die Juden, sondern auch diejenigen, die auf ihrer Seite stehen, auf das Alter der Zülzer jüdischen .Ansiedlung wiederholt