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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 89

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 89 (sequence 9)
Language
German
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89 judengegnerisch gesinnt. Ganz deutlich judenfreundlich dagegen ist nur das Kammerkollegium. Die Brühlsche Politik ist judenfreund■־ lieh, entscheidend bestimmt durch' die Sorge für den Staat und für die sächsische Volkswirtschaft; sie ist aber auch ein Kapitel aus der Geschichte der Toleranz. Das ruhige sichere Urteil des Verfassers, die gediegene Verarbeitung des Materials läßt wünschen, daß er seine Forschungen auf dem Gebiete der Geschichte der sächsischen Juden fortsetzen möge. Auf dem Gebiete der ,,Geschichte der Juden in Sachsen-Thüringen während des Mittelalters“ hat Siegbert Neufeld seine Arbeit abgeschlossen. Nachdem der erste Band bereits 1917 erschienen ist, hat er nunmehr auch drei in der thüringisch-sächsischen Zeitschrift für Geschichte und Kunst i. d. J. 1919, 1924, 1927 veröffentlichte Aufsätze zum zweiten Band vereinigt (1927). Diese drei Kapitel lauten: ,,Die Einwirkung des schwärzen Todes auf die sächsisch-thüringischen Juden“, ,,Die Zeit der Judenschulden-Tilgungen und Schatzungen in Sachsen-Thüringen“, ,,Die Vertreibung der Juden aus Sachsen und Thüringen“. Die Verfolgungen von 1349 haben eine ganze Anzahl Juden in die verschiedenen Gegenden Deutschlands geführt. Unter den behandelten Judengemeinden spielen Erfurt, Halle, Magdeburg, yon denen wir bereits Einzelgeschichten besitzen, eine wichtige Rolle. Die Austreibung der Juden aus Sachsen und Thüringen erfolgte, gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Interessant ist ein Ergebnis der Studien Neufelds, daß nirgends dichtere Judensiedlungen in Deutschland zu finden gewesen sind, als in Sachsen-Thüringen. Die größte und reichste Judengemeinde in deutschen Landen, noch größer als die Nürnberger, ist im 14. Jahrhundert nach ihm die Gemeinde Erfurt. Der Rechtshistoriker Guido Kisch untersucht in dem Jahrbuch der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Band 4 (1928), auf Grund archivalischen Aktenmaterials die Anfänge der jüdischen Gemeinde zu Halle. Nach einem Ueberblick über die Geschichte der Juden in Halle im Mittelalter, die im Jahre 1493 ein Ende nimmt, behandelt er den staatsrechtlichen, politischen und wirtschaftspolitischen Hintergrund, der auch den Schlüssel zum Verständnis der Neuansiedlung der Juden in Halle liefert und schließlich die ersten Judenaufnahmen in Halle, die an die Namen Salomo Israel, Assur Marx anknüpfen. Ein Urkundenanhang, der noch durch ״Kleine Beiträge zur Kulturgeschichte der Juden in Halle“ in Band 5 derselben Zeitschrift (S. 332 ff.) ergänzt wird, erhöht den Wert der gründlichen und kritischen Arbeit. Hoffentlich findet der Verfasser Zeit, sein Vorhaben auszuführen und ,,Die Juden in Halle am Ende des 17. und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts“ bald vollständig zu bearbeiten. Max Köhler veröffentlicht in den ״Studien zur Geschichte der Wirtschaft und Geisteskultur“ Band III: ״Beiträge zur neueren Jüdischen Wirtschaftsgeschichte. Die Juden in Halberstadt und Umgebung bis zur Emanzipation“ (mit einer Kartenskizze, 1927). Bis zum dreißigjährigen Kriege ist die Geschichte der Juden in Halberstadt eine unter vielen. Mit der Errichtung der preußischen Herrschaft wuchs die H. Gemeinde über die

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