Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 88 (sequence 8)
- Language
- German
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88 schon 1598 erwähnt —. mit dessen Beendigung der völlig vernichtete Leipziger Meßhandel allmählich einen ständig größer werdenden Aufschwung nahm. In diesen 89 Jahren haben, abgesehen von den mit Pässen versehenen Meßfahrern, 81 937 Volljuden die drei Leipziger Messen besucht, darunter 59 264 selbständige Kaufleute und 22 673 Frauen, Diener, Makler und Musikanten. An Leibzoll sind von den hier genannten Meßgästen der kurfürstlichen Regierung und der Stadt Leipzig zusammen rund 719 661 Taler zugeflossen. Dazu kamen die Akzisen und Warenzölle, das Zollgeld, das sie zu entrichten hatten an allen Orten, die sie passierten. Vor allem sind es die deutschen Gemeinden aus Nord und Süd, aus Ost und West, die die Hälfte bis Drei viertel der Besucher stellen. An zweiter Stelle steht der Zustrom aus Böhmen, Mähren, Oesterreich, Schlesien und Ungarn. Ganz schwach ist das eigentliche Ausland vertreten. Unter den Meßbesuchern treffen wir Träger berühmter Familiennamen. Die Meßlisten bilden daher eine schier unerschöpfliche Quelle für die jüdische Lokal- und Familienforschung. Aber auch die allgemeine jüdische Geschichte, besonders die jüdische Kulturgeschichte, wird noch manchen Schatz aus diesen Listen heben können. Ein Register erleichtert die Benutzung des von Freudenthal mit gewohnter Meisterschaft gearbeiteten Werkes. Die Leipziger Meßjuden sind der Vortrupp der sächsischen Juden in der Neuzeit überhaupt. Die ersten seßhaften Juden kommen erst im 18. Jahrhundert nach Sachsen. Von diesen Zusammenhängen geht Fritz Koitzsch in seiner auf gründlichen archivalischen Studien beruhenden Leipziger Dissertation ״Kursachsen und die Juden in der Zeit Brühls“ (1928) aus. Nachdem er einzelne Auslandsjuden, die mit dem Dresdener Hofe in Verbindung standen und die ersten in Sachsen seßhaften Juden aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts, die am Hofe Augusts des Starken eine Rolle gespielt, behandelt hat, gibt er auf Grund der Arbeiten von Markgraf und Freudenthal ein Bild vom Auftreten und der Bedeutung der Meßjuden in der Zeit Brühls (1733—1763). So bedeutet seine Arbeit in diesem Teile eine wesentliche Ergänzung und teilweise Fortsetzung des Freudenthalschen Werkes. Er untersucht den Umsatz, die Abgaben, die rechtliche Stellung, die Kultusrechte der Meßjuden vor Brühls Zeit und in der Zeit Brühls, behandelt weiter den Streit um das Kultusrecht der Meßjuden v. J. 1736/7, die böhmischen Juden und die polnischen Juden auf der Leipziger Messe, die Juden auf den sächsischen Jahrmärkten und schließlich die auswärtigen Juden, die in Sachsen hausierend herumziehen. Im dritten Teil seiner Arbeit behandelt er die Ansiedlung von Juden in Sachsen, in erster Reihe die jüdischen Münzlieferanten, dann die Dresdener Hofjuden und schließlich die Stellung des sächsischen Staates zur jüdischen An- Siedlung. Die Namen August der Starke und Brühl bezeichnen eine deutlich charakterisierte und herausgehobene Periode in der Geschichte der sächsischen Judenschaft und der sächsischen Judenpolitik. Die kaufmännischen und anderen Innungen und die von ihnen inspirierten Stadträte, zumal inDresden und Leipzig, sind damals Judengegner. Schwankend ist die Stellung der geheimen Räte; als die Spitze des altsächsischen Behördensystems sind sie im Herzen