Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 7)
- Language
- German
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87 Nordostabhang des Forts ״Cavalier Judensand" im Westsüd westen der Stadt Mainz, anschließend an den i. J. 1880 geschlossenen sögenannten alten jüdischen Friedhof ״an der Mombacher Straße, lag der Friedhof ,,Judensand", auf dem die Juden aus Mainz und auch aus dem Rheingau im früheren und frühesten Mittelalter ihre letzte und oft einzige Ruhestätte gefunden hatten. Nachdem man die Juden aus der Stadt vertrieben hatte, sind die Grabsteine im. 15. Jahrhundert verschleppt worden und im letzten Jahrhundert bei allen möglichen Grabungen und Umbauten in der Stadt Mainz ans Licht gekommen, Eine größere Anzahl dieser verschleppten Steine fand sich i. J. 1922 bei der Niederlegung einer mittelalterlichen Stadtbefestigung am Gautor wieder. Der größte Teil derselben wurde hinter der Steinhalle des städtischen Museums und in dem eisernen Torturm auf bewahrt. Die israelitische Religionsgemeinde hat nun i. J. 1926 den alten Judensand wieder instand gesetzt, die alten Steine überführen lassen und ca. 180 Steine und Steinfragmente aufgestellt. Sie stammen alle aus der Zeit von ca. 1000 bis 1425. S. Levi veröffentlicht von ihnen 18 Stück bezw. Fragmente, beschreibt ihre Herkunft, das Material und entziffert dieselben. Man wird nicht all seinen Lesungen unbedingt zustimmen können und bei Nr. 1 schon aus der Schrift schließen, daß wir nicht den Originalstem des R. Gerschom vor uns haben. Man wird auch dankbar der Forschungen Salfelds gedenken, vor allem aber die beabsichtigte Fortsetzung der Arbeit freudig begrüßen. Das liebenswürdige Schriftchen ,,Aus Vergangenheit und Gegenwart der Israelitischen Gemeinde Worms" von Samson Rothschild erscheint bereits in sechster Aufläge (1926). Es bietet soviel Interessantes, wozu ich nicht in letzter Reihe die sämtlichen Sagen und Legenden des ,,Maaseh-Mssim"- Buches rechne, daß unser Wunsch begreiflich ist, daß alsbald auch eine Geschichte der Juden in Worms geschrieben werden möge. Anläßlich des 50 jährigen Jubiläums der Synagoge in Bonn veröffentlicht Alfred Leyy ein Heft ,,Aus Bonner Archiven zur Geschichte der Jüdischen Gemeinde" (1929). Es enthält Akten aus dem städtischen Archiv sowie aus dem Archiv der Gemeinde, hauptsächlich aus dem 18. Jahrhundert, teilweise wörtlich, teilweise als Regest. Manches Stück wäre wert gewesen, vollständig veröffentlicht zu werden, so z. B. das Namensregister auf Grund des napoleonischen Dekretes v. J. 1808 (Nr. 26). Wir möchten daher den Wunsch aussprechen, daß Verfasser alsbald eine Schrift über die Juden in Bonn veröffentliche, in der zunächst alle in Betracht kommenden Archivalien in Stadt und Gemeinde, sowie alle sonstigen historischen Gegenstände zur Geschichte der Bonner Juden aufgeführt werden. Wir wenden uns nach Sachsen. Max Freudenthal: ,,Leipziger M e ß g ä s t e". Die jüdischen Besucher der Leipziger Messen in den Jahren 1675/1764 (Nr. 29 der Schriften der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, 1928) ist von großer quellengeschichtlicher Bedeutung. Die Bedeutung der Leipziger Messe für das jüdische Gemeindeleben läßt sich bis in die Zeit nach dem dreißigjährigen Kriege zurück verfolgen, ־— Juden werden auf der Leipziger Messe