Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
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85 verfaßt hat. Denn in Amerika sind die Ideen, für die Jacobson sich eingesetzt hat, am meisten verwirklicht worden. Wir haben allen Grund, für die sehr ansprechende und interessante Darstellung dankbar zu sein. Der begeistertste Voikämpfer für die Emanzipation der deutschen Juden hat durch das Werk Fritz Friedländers: ,,Das Leben Gabriel Riessers" (1926, Philo-Verlag) eine neue, wissenschaftliche Würdigung gefunden. Das Bild Gabriel Riessers ist darin in den breiten Rahmen der deutschen Zeitgeschichte und vornehmlich der politischen Problemgeschichte im Zeitalter der Restauration und Revolution gestellt worden. So liefert die Arbeit Friedländers einen Beitrag zur inneren Geschichte Deutschlands im 19. Jahrhundert, indem sie neben der Schilderung der privaten Lebenstatsachen vor allem die beiden geschichtlichen Problemkomplexe, die das politische Dasein Riessers ausmachen, die deutsche Judenemanzipation und das deutsche Verfassungswerk von 1848/9 herauszuarbeiten sucht. Darin unterscheidet sich dieses Leben Gabriel Riessers von vornherein von allen andern literarischen Versuchen. Das ist auch sein besonderes Verdienst, zumal es neues Quellenmaterial für die Lebensgeschichte Gabriel Riessers nicht benutzen konnte. Und nun zur Geschichte der Juden in einzelnen deutschen Territorien. Die Schwierigkeit, eine Geschichte der deutschen Juden zu schreiben, beruht ja vor allem darin, daß hierbei eine überaus große Zahl von Territorien, Einzelländern und Ländchen in Betracht kommen, für die sie erst bearbeitet werden muß. Diese Schwierigkeit hat auch Berthold Rosenthal in seiner ,,H eimatgeschichte der badischen Juden seit ihrem geschichtlichen Auftreten bis zur Gegenwart,, (1927) empfunden da es sich in Baden um etwa 60 weltliche und geistliche Staaten und ritterschaftliche Gebiete handelt, in denen Juden wohnten. Das mit unendlicher Liebe geschriebene Buch soll keine Geschichte der jüdischen Gemeinden in Baden sein, sondern ein Heimatbuch. Der Verfasser will etwa bis 1500, also für die Zeit des Mittelalters mehr Gesamtbilder, gleichsam Querschnitte aus der allgemeinen Lage der Juden in Deutschland geben, die möglichst durch Beispiele aus dem jetzt badischen Gebiet belegt werden sollen. Erst vom 16. Jahrhundert an schien ihm eine übersichtliche Darstellung der verschiedenen Hoheitsgebiete ratsam. Die Landesteile, die bis heute noch keine erschöpfende Darstellung gefunden hatten, wurden hierbei besonders berücksichtigt. Das Buch hätte zweifellos an Harmonie gewonnen, wenn der fünfte und sechste Abschnitt, der die Zeit von 1808 bis 1918 behandelt, etwas kürzer und prägnanter gefaßt und statt der bekannten Allgemeinheiten bis zum Jahre 1500 spezifische Geschichte der badischen Juden gegeben worden wäre. Mir will es auch scheinen, als ob Verfasser den bisherigen Veröffentlichungen und auch dem von ihm benutzten Archivalien, die besser genau zitiert worden wären, nicht immer kritisch genug gegenübergestanden hätte und der Quellennachweis, z. B. soweit er Reuchlin betrifft, sich noch durch wichtige Werke ergänzen ließe. Wie aber der Verfasser