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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1930-01-01 · Heft 2 · p. Seite 84

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
74 (1930)
Issue
Heft 2
Article
Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
Date
1930-01-01
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 in der geschichtlichen Entwicklung darstellt, als erst in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts alle die ausschließenden Bestimmungen allgem eingültige Rechtsnorm und Gesetz werden, so z. B. die Juden׳ quartiere zu Zwangsniederlassungen werden, an die Stelle der Freizügigkeit im Warenwie im Geldhandel die gesetzliche Beschränkung auf den Geldhandel tritt, der durch starke Reduzierung des Zinsfußes noch erschwert wird, so war es doch eine verdienstliche, Anerkennung verdienende Leistung, dies einmal zusammenhängend darzustellen. Eine der reifsten Arbeiten auf dem Gebiete der Geschichte der deutschen Juden, sowohl was Quellenverwertung wie Darstellung anbetrifft, ist Selma Stern: ״Jud Süß, ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte“ (1929, Akademie-Verlag, Berlin). Auf Grund der gewaltigen Literatur, vor allem aber auf Grund der 115 Faszikel Prozeßakten hat •sie ein Bild von Jud Süß entworfen, das sich ebenso von dem Gedanken fernhält, den viel gelästerten Mann als Märtyrer erscheinen zu lassen oder ein Unrecht der Geschichte zu sühnen, wie von der Behauptung, daß Jud Süß das Symbol alles Bösen gewesen ist. Sie erkennt vielmehr am Beispiel des Jud Süß, der in seinem Lebensgefühl und seiner Lebenshaltung ganz ein Mensch der Barockzeit ist, das Schicksal des europäischen Juden überhaupt und legt in ihrer Biographie die Stellung eines Juden, einer schaffenden und schöpferischen Persönlichkeit zu Staat und Umwelt in den Zusammenhängen und Wandlungen des Staates und der Umwelt dar. Jud Süß5 Tätigkeit in württembergischen Diensten ist, obwohl er über seinem Werke scheiterte, eng verknüpft mit der Wandlung des württembergischen Staates vom politisch unentwickelten patrimonialen Staatskörper zu einem modernen staatlichen Rechts- und Wirtschaftskörper. So ist Süß der erste, bis auf Lassalle fast der einzige Jude, der bewußt, wenn auch im engen Bereich, in den Gang der deutschen Geschichte eihgreift. Der tragische Konflikt, den er als Jude und Kind des Barock in sich durchkämpfte und überwand, so daß er zum ersten Träger des jüdischen Ressentiments geworden ist, macht ihn zu einer symbolischen Erscheinung der jüdischen Geschichte. Das mit wertvollen urkundlichen Beilagen und einem Bildnis des Josef Süß Oppenheimer geschmückte, gut ausgestattete Buch zeigt die besondere Gabe der Verfasserin, sich in einen fremden Lebensraum einzufühlen und aus dem ungeheuren Material heraus die leitenden Gesichtspunkte zu gestalten. Zum 100jährigen Todestag von Israel Jacobson veröffentlicht Jacob Räder Marcus als Sonderdruck eine Abhandlung, die im Jahrbuch der Central Conference of American Rabbis 1928, Vol.38, erschienen ist. Es herrscht darüber kein Zweifel, daß weder Graetz noch Philippson oder Dubnow diesem um die äußere und innere Emanzipation der deutschen Juden hochverdienten Mann, der von Goethe als der jüdische Heiland bezeichnet worden ist, gerecht worden sind. Es ist auch nicht verwunderlich, daß ein amerikanischer jüdischer Gelehrter dieses Werkchen, das das Milieu, aus dem Jacobson stammt, die Jugend, seinen Aufenthalt in Braunschweig, sein Wirken im Königreich Westfalen und in Berlin beschreibt,

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