Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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83 in verschiedenen, von einem Verfasser herrührenden Artikeln keine widersprechenden Ausführungen sich finden. Im jüdischen Lexikon finden sich gleichfalls sehr wertvolle Artikel und zahlreiche Biographien; ich nenne nur ,,Berlin“, ,,Deutschland“, ,,Elsaß“, ,,Juden viertel“, ,,Judenverfolgungen“, ,,Deutsche Kaiser“, ,,Kalonymus“, ,,Kammerknechtschaft“, ,,Köln“. Ebenso bedeutet der erste Jahrgang der Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland einen verheißungsvollen Anfang. Es ist z. B. erfreulich, daß S. Levi darin den frühgeschichtlichen Spuren der Juden in Deutschland nachgeht, wenn auch bisher, wie aus den Nachbemerkungen zu ersehen ist, ein zwingender Beweis des Vorkommens von Juden aus römischen Funden nicht erbracht werden konnte. Beiträge zur Geschichte der Juden in Deutschland im 13. Jahrhundert, insbesondere auf Grund der Gutachten des R. Meir-Rothenburg liefert H. J. Zimmels. Die Arbeit ist als erster Band der Veröffentlichungen der Oberrabbiner Dr. H. P. Chajes-Preisstiftung an der Israelitisch-theologischen Lehranstatt in Wien erschienen. Die Einleitung, die R. Meirs Leben und Wirken schildert, kommt über die Forschungsergebnisse von Back und Wellescz nicht hinaus. Die Einteilung hätte wohl besser ,,Aus der äußeren Geschichte“ und ,,Aus der inneren Geschichte“ lauten müssen. In systematischer Weise werden für die Zeit der Hohenstaufen, des Interregnums und die Zeit der Habsburger die Rechte der Juden, ihr Verhältnis zur christlichen Bevölkerung, die Be- Schränkungen, die außerordentlichen Steuern und ihre Eintreibung, die Verfolgungen und aus dem inneren Leben der Juden innere Angelegenheiten, zur Münzen-, Maß- und Gewichtskunde, Beschäftigung der Juden, Bildung und Kunst, die Ehe und die Stellung der Frau, Kleidung und Schmuck auf Grund der Gutachten des R. Meir Rothenburg dargestellt. Manches Neue erfahren wir über die Gemeindeverwaltung, das Armenwesen, insbesondere über das Inkolats- oder Siedlungsrecht. Wenn auch die gottesdienstlichen Bestimmungen, die R. Meir getroffen hat, hätten aufgenommen werden können und eine schärfere Abgrenzung dessen, was von R. Meir herrührt, gegenüber dem, was von seinen Vorgängern stammt, erfolgt wäre, so wäre dies der Arbeit nur dienlich gewesen, ebenso eine Ergänzung der Literaturangaben und schließlich eine schärfere stilistische Nachprüfung, z. B. auf S. 60: ,,A. lieh Geld bei B. und stellte . . . .“, wo sicherlich ein Irrtum in der Uebersetzung vorliegen muß. Möge die verheißungsvolle Erstlingsarbeit eine Fortsetzung finden durch die gleiche systematische Bearbeitung von anderen für die deutsche Judenheit wichtigen Responsen. Die Kölner Dissertation von Ellen Littmann (1928) ,,Studien zur Wiederaufnahme^ der Juden durch die deutschen Städte nach dem schwarzen Tode“ behandelt hauptsächlich auf Grund der vorhandenen Literatur die Gründe für die Wiederaufnahme, die Gestaltung der Lage nach ihrer Wiederaufnahme in bezug auf ihre staatsrechtliche und ihre rechtlich-soziale Stellung. Wenn uns auch nichts wesentliches Neues damit gesagt wird, daß der schwarze Tod insofern einen Einschnitt 6*