Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 74 (1930)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Aus der neuen und neuesten Literatur zur Geschichte der Juden in Deutschland [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 ein Teil der ganzen Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Täublers Forderung ״Die Erkenntnis der Geschichte der Juden in Deutschland muß.in einer Mittellinie vorwärts streben, die ihre Richtung ebenso von der allgemeinen deutschen Geschichte, wie von der allgemeinen Geschichte der Juden erhält“ gilt für ihn nicht. ״Die Autonomie“ ist für ihn das Leitmotiv seines Werkes. ״Diese stets lebenskräftige Nation kämpfte immer und überall für ihr autonomes Dasein, sowohl in ihrer sozialen Lebenssphäre als auch auf allen andern Gebieten des Kulturschaffens.“ Aber das Leben ist viel zu reichhaltig, als daß es sich in bestimmte Formeln pressen ließe. Der Wunsch ist gar oft auch in seiner Darstellung der Geschichte der deutschen Juden der Vater des Gedankens gewesen. Die Auffassung Dubnows muß sich hier grade als unzureichend erweisen, weil in Deutschland die Juden gewiß nicht als Schöpfer ihrer Geschichte auf allen Gebieten des Lebens angesehen werden können. Wenn man sich aber an den noch immer nicht veralteten Ranke hält, der schildert, wie es eigentlich gewesen ist, dann wird man auch der Mendelssohnschen und nachmendelssohnschen Epoche mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen und sie nicht vom Standpunkt der ״Autonomie“ verurteilen. Dubnow selbst beklagt, daß es bisher keine zusammenfassende Geschichte der Juden in Deutschland gibt und daß noch viele Lücken in den Darstellungen der einzelnen deutschen Gebiete vorhanden sind. Aber er selbst ist ja fast lediglich nur, soweit es den Osten anbetrifft, zu den Quellen herabgestiegen; für unser Gebiet aber scheint ihm die Zeit zum eingehenden Quellen- Studium, ja, selbst zur Verwendung aller Spezialliteratur gefehlt zu haben. Sowohl die wirtschaftlichen wie die religiösen Momente hätten eingehender gewürdigt werden müssen. Ich glaube daher nicht, daß Dubnows Ausführungen über die Geschichte der Juden in Deutschland — mit Ausnahme der neuesten Geschichte — einen wesentlichen Fortschritt für unsere Forschung darstellen. Bezüglich eines viel von ihm gebrauchten Ausdrucks ״Judaismus“, womit er das Judentum als die Welt des religiösen Erlebens, Denkens und Handelns meint, sei mir noch eine Bemerkung gestattet. Die christlichen Theologen gebrauchen diesen Ausdruck gewöhnlich allerdings nur für eine bestimmte Periode; das Wort ״Judentum“ ist bei uns als die Welt religiösen Erlebens, Denkens und Handelns so eingebürgert, daß keine Veranlassung vorliegt, ״Judaismus“, das übrigens wie eine Uebersetzung aus dem Französischen aussieht, in diesem Zusammenhang zu verwenden. Des ferneren haben die beiden jüdischen Enzyklopädien (Encyclopaedia Judaica* 5 Bände A—Drag; Jüdisches Lexikon* 3 Bände A—Ma) verschiedene Artikel zur Geschichte der Juden in Deutschland gebracht. Die Encyclopaedia Judaica weist außer manchem Beitrag über Städte und Länder auch wertvolle Aufsätze über ״Abgaben und Steuern“, ״Antisemitismus im Mittelalter und in der Neuzeit“, ״Deutschland“ und über manche jüdische Persönlichkeit wie Amnon aus Mainz, Berthold Auerbach, Jair Chaim Bacharach, Dohm auf. In dem Artikel ״Aufklärung“ ist der Verfasser der Geschichte der Aufklärung in Deutschland nicht ganz gerecht geworden. Bei der Redaktion selbst hat der Unterzeichnete angeregt, daß historische Artikel, die ein bestimmtes geographisches Gebiet behandeln, möglichst von einem Verfasser zu bearbeiten sind und schärfer darauf zu sehen ist, daß