Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 495 (sequence 3)
- Language
- German
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495 Namen“, die als Ehrennamen den führenden Gelehrten in der jüdischen Literatur beigelegt werden und die er von den Steinen der Tempelmauer ableitet: Quader-, Eck-, Randfugen- und Vorsprungsteine. Eine für das jüdische EJ,echt sehr wertvolle׳ Arbeit liefert Nachum Wahrmann über die Entwicklung der Bedingungsformen im biblisch-talmudischen Recht. Erkennzeichnet die Bedeutung der üblichen drei Bedingungsformen: ,,wenn“ mit den verschiedenen Ergänzungsformeln, ,,von jetzt ab wenn“ und ,,unter der Bedingung“, dies alles in kLarer und sicherer Darstellung. Auch das geschichtliche Gebiet ist selbstredend mit interessanten Auf- Sätzen vertreten. MaxDienemann legt die Grundzüge des Jesuswerkes von Klausner dar, welches er als erste jüdische Behandlung dieses Problems, wenn auch nicht ohne Kritik, begrüßt und von dem er eine deutsche Uebertragung wünscht; eine solche ist inzwischen erschienen. Ismar Elbogen, der hervorragendste Geschichtsforscher aus der jetzigen Generation der Breslauer Schule, beantwortet die Frage: wie steht es um die zwei Rezensionen des Sclierirabriefes? in gewohnter gründlicher Untersuchung der Texte dahin, daß es sich nicht um eine französische und spanische Rezension handelt, sondern um Texte aus einer gemeinsamen Grundlage, von denen die eine durch Glossen und Interpretationen entstellt, die andere durch die zunehmende Gleichgültigkeit gegen die aramäische Sprache verderbt wurde. Ueber Rheinische Judendoktoren vornehmlich des siebzehnten und achtzehnten Jahrhunderts handelt Adolf Kober in seiner bekannten kenntnisreichen Gründlichkeit und stellt viel interessantes Material zusammen. Ich möchte hinzufügen, daß ein Mitglied der Aerztefamilie Wallich auch in Fürth tätig war, daß mir aber seine Einreihung in die Stammfolge und der Nachweis seiner ärztlichen Vorbildung bisher noch nicht gelungen ist. Auch über dem Leben des Dr. Joy Adolfus schwebt noch manches Dunkel, das zu lichten ist. Sehr interessant sind die urkundlichen Beilagen zu dieser Arbeit. Felix Lazarus schildert eingehend Hessen-Kassel vor der Fremdherrschaft; die Arbeit hätte manchen Strich bekannter Dinge und die Bezugnahme auf manche neue Literatur vertragen. Artur Löwenstamm kennzeichnet die Stellung von Hugo Grotius zum Judentum nach dessen Werk de veritate religionis christianae, in welchem das Judentum dem Christentum gegenüber natürlich zu kurz kommt. Siegfried Siiberstein legt eine umfangreiche Arbeit über die Familiennamen der Juden unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlichen Festlegung in Mecklenburg vor. Seine Ableitungen der Familiennamen sind allerdings mit Vorsicht zu benutzen; der Name Kusel z. B. stammt ebensowenig vom Orte Kusel in der Pfalz wie Arnsberg von Amberg in der Oberpfalz. IsmarFreund bringt Urkundliches zur neueren preußischen Judengeschichte. Er führt in die Reaktionszeit nach dem Wiener Kongreß, welche die gewährte Gleichstellung der Juden in Preußen zwar gesetzlich beließ, aber durch Erlasse in der Verwaltungspraxis tatsächlich aufhob. Die beigedruckte Urkunde ist eine von den Aeltesten und Vorstehern der jüdischen Gemeinden in Berlin, Breslau und Königsberg dagegen gerichtete Eingabe an Friedrich Wilhelm IV. M. Grunwald bietet das Lebensbild seines Schwiegervaters, des furchtlosen Verteidigers des Judentums, Dr. Josef Bloch, in mancher Hinsicht zugleich ein beachtenswertes Menetekel für unsere eigene Gemeinschaft. Aus der Geschichte der Religionsphilosophie handelt Julius Guttmann über Gersonides als Logiker, indem er eine scharfsinnige Analyse der Begriffstheorie dieses Philosophen bietet. Julius Lewkowftz setzt sich in seinem Beitrag hingegen mit der modernsten Religionsphilosophie auseinander, indem er gegenüber der scharfen rationalistischen Auflösung religiöser Begriffe durch Hermann Cohen wieder einmal darauf hinweist, daß religiöse Begriffe immer noch ihren Eigengehalt besitzen, der selbst durch das schärfste Denken nicht aufgelöst werden kann. Warum im hebräischen Sprachgebrauch der Ausdruck Memra als Gottesbezeichnung dem Ausdruck Schechinah weichen mußte, sucht F e 1 i x A b e r so zu erklären, daß das Ethos den Sieg über den Logos davongetragen habe. Endlich hat noch einer der Senioren der Breslauer Schule, Leopold T r e i t e 1, einen Hinweis zur Entwicklungsgeschichte der Predigt in Synagoge und Kirche als des Beitrags gegeben, den das Judentum für allgemeine Kultur gestiftet; er macht darauf aufmerksam, daß auch die christliche Predigt nichts