Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 496

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 496 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835789--49459-2835893
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

496 Ursprüngliches, sondern eine 'Uebernahme der Vorträge aus den Synagogen der urchristlichen Zeit darstelle. Die beiden Bände der Festschrift gereichen dem Breslauer Seminar zur Ehre. Möge es weiterhin eine ebenso segensreiche Pflanzstätte jüdischer Lehre, jüdischen Wissens und jüdischen Lebens sein wie im abgelaufenen Zeitraum! Nürnberg. Freudenthal. D. Paul Fiebig: Die Umwelt des Neuen Testaments. Göttingen 1926, Vandenhoek und Rupprecht. 86 S. Aehnlich seinem Schriftchen ,,Die Umwelt des A. T.“, nur in größerer Ausführlichkeit unternimmt Fiebig hier den dankenswerten Versuch, religionsgeschichtliche und geschichtliche Texte aus der Gedankenwelt, welche die Landschaft des N. T. durchzog und umgab, in deutscher Uebersetzung zusammenzustellen. Es sind Texte aus dem jüdischen, dem hebräischen und hellenistischen Schrifttum, aus dem griechischen und dem indischen Kulturkreis zusammengestellt, um so dem Studierenden die Vergleichung zu ermögliehen.. Diese Methode, den Lernenden an die Quellen heranzuführen, ist von großem Wert, sie, und nur sie, ist geeignet, die mancherlei Vorurteile wegzuräumen, die der richtigen Würdigung jüdischer Religiosität in jener Epoche entgegenstehen, und die das wissenschaftliche Urteil so. sehr getrübt hatten. Besonders zu rühmen ist, daß keinerlei Versuch gemacht wird, das Urteil des Lesers in eine bestimmte Richtung zu drängen, die Texte sind einfach hingestellt, und der Leser kann nun selbst vergleichen und urteilen. Einzelnes hätte man sich anders gewünscht. Muß 1. B. Lev 2419 עמית mit ״Volksgenosse“ übersetzt werden? Gewiß, es hängt stammlich mit עם zusammen, aber ist es so, daß עמית von עם abgeleitet ist? Längst war der Begriff ins Weite gedehnt, keinerlei Veranlassung liegt vor, mit der Uebersetzung zugleich die Deutung zu geben, daß die Bibel den Schädiger nur dem Volksgenossen gegenüber ersatzpflichtig hielt. In dem Willen, die Sprache der Mischnah und der Midraschim wörtlieh zu übersetzen, geht Fiebig» zu weit; man kann nicht die Sprache der Mischnah und des Midraschs wörtlich übersetzen, wenn man dem unkundigen Leser den Sinn enthüllen will, wer versteht es, wenn z. B. תלמוד לאמד übersetzt wird mit ,,die Lehre hierüber liegt darin, daß . . .“? Hier war es am Platz, glatt und sinngemäß zu übertragen: ״das folgt aus dem Worte . . .“ oder ״das ist zu entnehmen dem Worte . ־. Nicht gut übersetzt ist z. B. ״ מעשה באדםein Ereignis betreffend einen Menschen“, F. sollte sagen: ״es geschah einmal, daß jemand . . לחש, in Tosefta Schabbat 723 wiederzugeben mit ״einen Geheimspruch flüstern“ ist auch solch Beispiel einer zu wörtlichen Uebersetzung. Weil לחש einmal flüstern hieß, braucht das da, wo es zum terminus technicus geworden ist, nicht wiederholt zu werden, hier heißt es einfach ״besprechen“, und was damit gemeint ist, weiß jeder. Bei der Wiedergabe der Erzählung von Choni Hameaggels Gebet um Regen (Misnah Taanit III) ist zunächst ״ גשמי נדבהmit Regen der freiwilligen Gabe“ unverständlich wiedergegeben. נדבה ist hier eben im Sinne des Wortes ״Segen, Gnade“ gemeint, entsprechend <[> 6810. Die weitere Uebersetzung: ״da kam er ordnungsgemäß herab, bis die Israeliten hinaufgegangen waren, von Jerusalem zum Berg des Hauses wegen des Regens“ ist unverständlich, es muß heißen: ״nun floß er gehörig, so lange, daß schließlich die Juden wegen des vielen Regens von Jerusalem zum Tempelberg hinauf zogen“. Berachoth 34b schließt die Erzählung von Chanina ben Dosas Gebet für Jochanan ben Zakkais Kind mit Jochanans Bemerkung ״Chanina gleicht einem Knecht vor dem König, ich aber gleiche einem Fürst vor dem König“; dazu gibt F. die Erklärung: ״Jochanan traute sich eine Gott gegenüber selbständigere Wundermacht zu, so daß er nicht erst Gott .anzuflehen brauchte“, diese Erklärung ist nicht verständlich und aus dem Zusammenhang nicht gerechtfertigt; hier dürfte Raschi tiefer gesehen haben, als er erklärte, Chanina sei wie ein Hausgenosse* der stets und sicher Zutritt habe, er wie ein Großer, der erst um Audienz bitten müsse. Schade, daß die berühmte Erzählung in Baba mezia 59b vom Streit im Lehrhaus, der durch ein Wunder entschieden werden soll, was die Anwesenden als unzulässig erklären, nicht vollständig zu Ende erzählt ist. Es stört, daß nicht bei allen zitierten Stellen die , Quellenangabe gemacht ist. Die bekannte Josephus - Stelle über Jesus ist zitiert, ohne daß auf'das

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.