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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 494

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 494 (sequence 2)
Language
German
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494 mit der ausdrücklichen Beschränkung auf solche, die ihren Studiengang bis zum Abschluß durch das Rabbinatsexamen an der Anstalt selbst zurücklegten. Diese Männer fanden allesamt im Amt trotz reichlicher praktischer Tätigkeit noch immer Zeit zur wissenschaftlichen Arbeit, und es gehört noch mancher in ihre Reihe hinein, wenn er auch in der Festschrift nicht vertreten ist. Durch jene Beschränkung fehlen aber auch die vielen Gelehrten, die, einerlei ob sie ihr Rabbinatsexamen anderweitig ablegten oder überhaupt auf einen solchen Erweis der Befähigung für die Praxis verzichteten, den Grund zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung gleichfalls am Breslauer Seminar legten und dank dieser Grundlegung Ansehen und Bedeutung in der jüdischen Wissenschaft fanden. Die Festschrift bietet deshalb nur einen Ausschnitt aus dem Bilde, welches den von der Anstalt ausgegangenen wissenschaftlichen Einfluß darstellen müßte, und es dünkte mich eine gern zu übende Pflicht, durch die Uebernahme der Anzeige dieses zweiten Festschriftbandes jenes Bild zu ergänzen und auch aus dem Kreise der nicht darin Vertretenen eine Stimme des Dankes laut werden zu lassen. Viele von uns haben das Rabbinatsdiplom an anderen Stätten und aus anderen befugten Händen erhalten. Aber Breslau hat uns trotzdem am Seminar und außerhalb desselben eine ausgezeichnete wissenschaftliche Schulung geboten. Wenn wir auf Männer wie G r ä t z, Freudenthal, Joel, Rosenthal, Benno Erdmann, um nur die mir nahestehendsten aus meiner Breslauer Zeit zu nennen, zurückschauen, so erfüllt es uns mit Stolz, ihre Schüler gewesen zu sein und im innigsten persönlichen Verkehr mit ihnen gestanden zu haben, und wir glauben wissenschaftlich ihrer nicht ganz unwürdig geworden zu sein und auch denen Ehre gemacht zu haben, die uns zur praktischen Amtstätigkeit ordinierten. Nachdem die Festschrift in der Zulassung der Mitarbeiter die erwähnte Grenze gezogen hat, hätte man freilich erwarten dürfen, auch einige Abhandlungen gerade aus dem Gebiete der praktischen Theologie in. ihr zu finden. Dies ist leider nicht der Fall. Es wäre jedoch sehr wünschenswert, wenn dieses so viele Zweige umfassende Gebiet stärker als bisher in wissenschaftlicher Form bearbeitet würde. Unsere einschlägige Literatur ..ist gemessen an der der christlichen Bekenntnisse geradezu kümmerlich. Die Arbeiten im zweiten Band der Festschrift sind alphabetisch nach den Verfassern geordnet; eine Folge nach Materien wäre angenehmer gewesen. Bibelkritik ist ein wenig gepflegtes Arbeitsgebiet der Breslauer Schule. Max K a 11 e n steht ihr gleichfalls fern und gibt in seinem Beitrag ,,Genesis Kapitel 41“ eine Probe aus einer größeren Arbeit, in der er die älteren jüdischen Bibelerklärer in Exzerpten zu Worte kommen läßt, also mehr einen Beitrag zur Geschichte der Bibelerklärung, der freilich der „auflösenden“ modernen Bibelkritik gegenüber sehr schlicht anmutet. Ludwig Levy versucht in seiner Abhandlung ,,Der Prophet Maleachi4 eine Erklärung dieses Prophetenbuches mit Uebersetzung zu geben, die auf sehr starke Ablehnung stoßen wird, da er die schönste Stelle darin von der allgemeinen Menschenbruderschaft Anhängern der Ehe Verbindung mit den Heiden in den Mund-legt und diese Anschauung von dem Propheten bekämpfen läßt. Aus seinen reichen samaritanischen Schätzen veröffentlicht M. G as t e r die Zählung der 613 biblischen Vorschriften nach samaritanischer Weise mit einer sehr interessanten Einleitung. Das talmudische Gebiet ist durch einige ausgezeichnete Arbeiten über größere und kleinere Probleme vertreten. Alexander Guttmann beleuchtet synoptisch das Problem der Mischna-Redaktion. Der junge Gelehrte schlägt in der Behandlung dieser Frage neue Wege ein; er nimmt nämlich eine synoptische Vergleichung der Texte und des Inhalts.der Stellen in Mischna und Tosefta vor und erörtert hier auf dieser Basis speziell die Rabbistellen in beiden Werken. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen bestätigen im großen und ganzen die Auffassung Frankels, wenn er auch Einzelheiten korrigiert; dagegen lehnt er die Theorie Albecks ab. Die Schlußredaktion der Mischna ist also die Arbeit Rabbis und seines Kollegiums, auch da, wo sich die Stellen gegen Rabbi selbst wenden. Im hebräischen Teil der Festschrift gibt Adolf Schwarz einen Kommentar zur Tosefta Horajot mit gewohnter Altmeisterschaft. Hervorragend, auch durch die Beherrschung der einschlägigen griechisch-römischen Literatur, ist eine Abhandlung von Josef Cohn über die talmudischen Marktbezeichnungen und ihr Verhältnis zueinander. Diesen beiden Senioren reiht sich als dritter im Bunde David Simonsen mit einem Beitrag aus gleichem Gebiete an. Er untersucht die „Eigentümlichen

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