Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 490 (sequence 2)
- Language
- German
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490 Kommentars zu Exodus 21 I. E. beschäftigt. Hauptsächlich aber behandelt er hier das zeitliche Verhältnis z־wischen dem kurzen und dem langen Kommentar zu Exodus. Im Gegensatz zu den meisten I. E.־Forschern vertritt er hier die Ansicht, von D. Kahane, der in seinem Werke ,,Abraham Ihn Esra“ (Warschau 1894) die Behauptung aufgestellt hat, daß der kurze Kommentar viele Jahre vor dem langen entstanden ist, und zwar soll der kurze Kommentar 1145 in Lukka begonnen worden sein. Diese Ansicht sucht unser Verfasser durch mehrere Beweise zu begründen. Leider ist die ganze Beweisführung m. A. n. als vollständig mißlungen zu betrachten. 1. Im ,,Jesod More“, der 1158 in London abgefaßt wurde, sagt I. E. (S. 72): וכבר פרשתי דרש אותה כי הוא אסמכתא בעלמא. Da wir diese Erklärung im kurzen Kommentar zu Ex 218 finden, muß angenommen werden, daß I. E. den kurzen Kommentar bereits vor 1158 vollendet hat, und nicht erst vor seinem Tode. Dieser Beweis ist ganz hinfällig; denn woher weiß denn unser Verfasser, daß diese Erklärung nicht auch im langen Kommentar zu Numeri 27״, der uns leider verloren gegangen ist, gestanden hat? 2. im Sefer Haibbur 9 a sagt I. E. כאשר פרשתי מקצת סודם כפפי הישר שהוא פרוש התורה. Da das Sefer Haibbur 1146 bereits vollendet war, muß der kurze Kommentar schon vorher fertig gewesen sein. Aber warum soll nicht auch im Sefer Haibbur der große Kommentar gemeint sein? Der große Kommentar kann doch auch ספר הישר geheißen haben. 3. Alle I. E.-Forscher, welche 1167 als das Entstehungsjahr des kurzen Kommentars anschauen, berufen sich dabei auf das Sehl ußge dicht des kurzen Kommentars. Da heißt es am Ende: כמו עד כה עזרתני בטובך לפרש עוד פשט כל הספרים והשלמתיו בארבעת אלפים תשע מאות ועוד שבע ועשרים שנת ששית למחזור ד״ם ברום (Rosin Nr. 53, S. 81). Nun bestreitet unser Verfasser die Echtheit dieses Gedichtes. Höchstens — meint er — stammt von I. E. nur bis zum Worte: והשלמתיו; die darauffolgenden Worte dagegen rühren vom Abschreiber her. Somit gilt das angegebene Datum für die Abschrift und nicht für die Abfassung des Kommentars. Für diese sehr gewagte Behauptung weiß Fleischer nur folgendes anzuführen: Da I. E. 1167 gestorben ist, ist es undenkbar, daß er einige Monate vor seinem Tode die Absicht gehabt haben soll, neue Kommentare abzufassen. Ferner ist es kaum anzunehmen, daß I. E. im Jahre 1167, ־wo bereits Kommentare zu allen Büchern der hl. Schrift von ihm Vorlagen, noch neue Kommentare geplant haben soll. Welche Bücher sollten denn noch kommentiert werden? — In Wahrheit ist m. E. in diesem Gedichte nirgends davon die Rede, daß I. E. im Jahre 1167 die Abfassung neuer Kommentare geplant hat. I. E. sagt: בחסדך אלהים למדני לתורתך ואבין הסתרים ועורכי להתחכם בדתך ואדעם יהו על פי סדורים כמו עד כה עזדתני בטובך לפרש,.עוד פשט כל הספדים ״In Deiner Huld lehre mich, 0 Gott, Deine Lehre, daß ich auch die Geheimnisse erfasse und hilf mir, Dein Gesetz zu verstehen und zu erkennen, daß es meinem Munde geläufig sei, wie Du mir bisher geholfen hast, den Sinn aller Bücher zu deuten.“ Wo ist da die Rede von neuen Plänen? Das Wörtchen עוד ist m. E. einfach zu streichen. Aber wenn es auch bliebe, kann man noch immer daraus nicht das herauslesen, was Fl. herausliest. Und selbst angenommen, daß I. E. in diesem Gedicht wirklich die Absicht bekundet hat, noch neue Kommentare abzufassen, ließe sich gegen die Echtheit des Datums nichts einwenden. Warum soll denn nicht I. E. wenige Monate vor seinem Tode noch schriftstellerische Pläne gehabt haben? Wußte er seinen Tod voraus! Auf die Frage, welche Bücher denn I. E. im Jahre 1167 kommentieren wollte, genügt die Gegenfrage: Wozu hat denn I. E. einen zweiten Pentateuchkommentar verfaßt? (Zwei Kommentare nimmt doch auch F. an.). I. E. hat eben seine Kommentare nicht für die Oeffentiichkeit geschrieben, sondern nur für seine Gönner. Darum mußte er fast in jeder Stadt, in der sich seine Gönner für irgendein Gebiet seines Wissens interessierten, zu längst behandelten Themen neue Werke für sie schreiben, die ihrem Inhalte nach nichts anderes waren, als Wiederholungen von älteren Schriften. (S. Einl. zu שפה ברורה wo I. E. selbst auf diese Tatsache hin weist.) 4. Einen weiteren Beweis für die frühere Abfassungszeit des kurzen Kommentars sucht der Verfasser aus der Gegenüberstellung I. E.s Erklärungen zu Ex 2531 im kurzen und im langen Kommentar zu konstruieren. Aber auch dieser Beweis zeigt sich bei näherer Betrachtung als hinfällig. Denn I. E. bemerkt auch im langen Kommentar z. St. והכלל אם יש שם יוד הוא מלה זדה. Ein wesentlicher Unterschied zwischen beiden Stellen liegt nicht vor.