Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 486

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Zu Aptowitzers "Parteipolitik der Hasmonäerzeit" [Nachricht]
Date
1929-01-01
Page
Seite 486 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835785--49443-2835883
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

486 noch Gesundbeter gewesen ist, sondern historisches Interesse hatte, dichtet einen Dialog zwischen Saul, Doeg und Abner, der in mehreren Parallelen uns erhalten ist. Zwei Versionen dieser Agada werden als zwei verschiedene Quellen betrachtet, die von zwei verschiedenen Synhedrialsitzungen handeln sollen. Man könnte hier, wenn Raum und Zeit es nicht verbieten würden, diese sog. zwei Quellen, babylonische und palästinische, nebeneinander stellen, um zu beweisen, daß es sich hier, mit kurzen Weglassungen und Hinzufügungen, um ein und dieselbe Quelle handelt. Herrn Aptowitzers Methode wie seine Schlußfolgerungen können weder als historisch, noch als exegetisch einwandfrei betrachtet werden. Um sich zu schützen, fügt Herr Aptowitzer ein wahrscheinlich hinzu. Aehnliche Varianten, Verkürzungen und Erweiterungen kann jeder Agadaforscher zu Hunderten in unseren Texten finden. Die rabbinischen Quellen wissen von zwei verschiedenen Versuchen der Sadduzäer, Davids Legitimität zu annulieren, überhaupt nichts, geschweige denn von einer hasmonäischen diesbezüglichen Agitation, wofür auch die außerrabbinischen Quellen keinen Anhaltspunkt bieten. Daß die Rabbinen auch — warum liorribile dictu? — für historische Fragen Interesse gehabt haben, weiß ich auch ohne Herrn Aptowitzers Belehrung; ob sie aber auch Verständnis gehabt hätten für fingierte Bewegungen und historische Ereignisse die niemals stattgefunden haben, wie z. B. die zwei SynhedrialverSammlungen über Davids Legitimität und Illegitimität und andere sadduzäisch-hasmonäische oder hasm.-sadduzäische, will ich nicht entscheiden. Ich könnte hier der Reihe nach alle Beispiele in Herrn Aptowitzers Buch anführen, um die Unrichtigkeit seiner Schlußfolgerungen klarzulegen. Ich habe es in meiner Besprechung nicht getan, und kann es hier nicht wagen. Die Agadoth haben mit Hasmonäerpolitik nichts zu tun. Ich habe alle Stellen im Buche genau geprüft und finde in keiner einzigen auch nur die Möglichkeit eines Beweises für die Hasmonäerpolitik. Wo von Hasmonäern die Rede ist, da werden ihre Namen bei den rabbinischen Quellen genannt. Welchen Anlaß gab es zum Versteckenspielen, daß man den wahren Sinn der Ansprüche, Sagen, Legenden etc. verheimlichen oder verdecken soll? Das geschah doch, im Falle man Herrn Aptowitzers Theorie annimmt. Ich will nur ein Beispiel für viele hervorheben. S. 42 bespricht Verfasser eine Agada, die nicht nur Nun!, r. 18, 17 und im Jalk. Mach. Ps< 55, 3, aus Tanchuma (S. 218), sondern auch in der Pesikta, ed. Buber 134 a und Midr. Psalmen zu 4, 8, ed. Buber, S. 95 vorkommt und lautet: עד מה כבוד לכלימה וקורין אותי בן ישי כד״א ראיתי את בן ישי. לכלכם יתן בן ישי שדות. כי בוחר אתה לבן ישי, אשר בן ישי חי על האדמה ולית לישם. Herr Aptowitzer meint, daß der Agadist unter dem Einflüsse seiner zweiten Synhedrialsitzung steht, die Davids Illegitimität beschlossen hätte, und so würde die Abstammung von David als Schmähung, der Isaisohn ein Schimpfname. Die Fortsetzung der Agada תאהבון ריק למה אתם מרדפין אחר דברים של ריקנות ואומדים אלהים עזבה אלהים שכחה אלהים סילק שכינתו ממנו ואין המלכות חוזרת לו מעתה, zeigt, daß wir es hier mit einer ähnlichen Verurteilung Davids zu tun haben, die wir oben in der Agada des R. Samuel b. Ammi vorgefunden haben. Es kann sich hier vielleicht (s. meine Rel.-Studien I. 40 und L. Venetianer, über den Ursprung der Prophetenlektionen, Bpest. (ungarisch) 1908, 54) um christliche Polemik handeln, was chronologisch viel einleuchtender ist, als an Hasmonäerpolitik zu denken. 16. Ich bestreite, daß die beiden Agadoth auf diametral entgegengesetzten Anschauungen beruhen. B. bildet einfach die Fortsetzung von A. Von Beschimpfungen ist weder in einem, noch im andern Texte die Rede. Jeder Bibelleser kennt die Fehler der Stämme, ebenso jeder Agadaforscher, daß Moses und Aharon nur in Verdienste der Stämme des heil. Geistes teilhaftig, oder berechtigt gewesen ist in das Allerheiligste zu gehen (vgl. Marmorstein, The Doctrine of Merits, London 1926, Index s. v. Tribes m. of). Warum kann die Agada nicht rein agadisch sein? Welche Agadoth sind rein agadisch, welche nicht? Beide stammen von R. Jehuda b. Ilai, der sich hier, wie anderswo, nach Herrn Aptowitzers Theorie widersprechen würde. Man lese doch die'zwei Texte nebeneinander, und entscheide ob B. nicht die Fortsetzung von A. ist. Es ist kein Beweis für den verschiedenen Ursprung der beiden Agadoth, wenn sie heute in zwei verschiedenen Midraschwerken zu lesen sind. Die Redakteure haben die gemeinsame Quelle ab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.