Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 483

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Zu Aptowitzers "Parteipolitik der Hasmonäerzeit" [Nachricht]
Date
1929-01-01
Page
Seite 483 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835785--49440-2835880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

483 Hasmonäerpolitik wäre ebenso unerwiesen, selbst wenn man noch einmal so viel Stellen für die Ungiltigkeit, wie für die Giltigkeit des Gesetzes in der künftigen Welt zitiert. Haben Sadduzäer oder Hasmonäer das geringste mit Spekulationen über die künftige Welt, die sie leugneten, trotz Aptowitzers Alt־ und Neusadduzäern (S. 208 und S. 266), zu schaffen? Keine der Stellen aus der rabbinischen Literatur ist älter als Paulus! Was beweisen sie für das Problem des Urchristentums? Gab es nicht unter den Zeitgenossen der Amoraim Leute, die das Gesetz und seine Gültigkeit mehr oder weniger leugneten? Es ist dabei einerlei, ob diese Ueberbleibsel der Sadduzäer oder Anhänger neuer Sekten waren. Diese Rabbinen vertreten diese Ansichten, die dem intellektuellen Streben und den religiösen Bedürfnissen ihrer Zeit entsprungen sind. Wie weit man hier von einer Kontinuität der Gegensätze oder Uebereinstimmungen reden darf, ist durch Herrn Aptowitzers Buch nicht geklärt. Die Lehrer des zweiten und dritten Jahrhunderts lehren, ob man die Gründe des Gesetzes erforschen darf oder nicht, ob das Gesetz ewige oder zeitliche Bedeutung habe, für ihren hasmonäischen oder antibasmonäischen Ursprung kann Herr Aptowitzer keinen Schatten eines Beweises liefern. Und dann soll Paulus seine Christologie und seinen Antinomismus aus der Agada der späteren Jahrhunderte entlehnt haben! Herr Aptowitzer geht nun auf meine Beweisführung gegen seine Theorie über. Meine Argumente sind, nach des Verfassers Ansicht, daß ich den Sinn seiner Theorie nicht sehen kann. Es war nicht mein Beruf, die vom Verfasser angeführten Stellen nach meiner Methode zu erklären und das Material für meine Erklärung dem Leser vorzulegen. Ich glaube im Rechte zu sein, daß man für die Erklärung der Agadoth Anhaltspunkte in der Zeitgeschichte der betreffenden Agadisten suchen muß, und nicht eine weithergeholte, in dieser Form gewiß nie existierende Parteipolitik hineinlesen oder aus ihnen herauslesen darf. In vielen, nicht in allen, Fällen führen diese Agadoth auf gnostische Spuren, wie ich dies in einer unter der Presse befindlichen Arbeit ״The Background of the Haggadah“ für den nächsten Band des Hebrew Union College Annual zu beweisen versuchte. Damit aber der Verfasser nicht sage, daß ich meine Behauptungen nicht begründen konnte, will ich ihm eine oder zwei Stellen vorführen, die auch sonst von Interesse sein dürften. Ich wähle hierfür absichtlich Agadoth aus dem Leben Davids. S. 24 wird eine Agada des R. Samuel b. Ammi gebracht, die man Pes. ed. Buber 10 B, Tanh. 4 § כי תשא ed. Buber § 3, Pes. r. c 10, 38 B, M. Ps. 3, 5 und 6, 9 lesen kann und lautet: ד׳ שמואל בר אמי• פתר קרא בדואג ואחיתופל, רבים שדרו רבים בתורה, אומרים לנפשי אומרים לדוד 1) ארם ששבה אח הכבשה 2) והרג את הרועה 3) והפיל את ישראל יש לד השועה? אין ישועתה לו באלהיס סלה. Soweit übersetzt Herr Aptowitzer. Den hierhergehörigen Rest der Agada, die Apologie ist, aus mir unbekannten Gründen, überhaupt nicht erwähnt. Der wichtigste Teil ist der Schluß, der die eigentliche Apologie enthält, wie oben in der Agada über Salomo. Sie lautetאמר דוד: אתה הסכמת עמד,ם וכתבת :־ כתורתך מדת יומת הנואף׳ והנואפת, מנן בעדי שהגנת עלי בזכות אבות, שהחזרת עלי• מלכות, ומרים ראשי. תחת שהייתי חייב לך הרמת ראש נתת לי תלוי ראש וכר/ Es wäre widersinnig, zu behaupten, daß R. Samuel b. Ammi aus uns unbekannten und wahrscheinlich nur in Herrn Aptowitzers Buch existierenden hasmonäischen und antihasmonäisclien Parteitraditionen geschöpft hätte, u. z. den ersten Teil aus einer hasm. und den zweiten Teil aus einer antihasm. Schrift. Herr Aptowitzer ignoriert die Apologie, sonderbarerweise. Ich frage nun jeden unbefangenen Leser: Was ist wahrscheinlicher, oder richtiger, Herrn Aptowitzers oder meine Deutung dieser Agada? Hat hier R. Samuel bar Ammi eine hasm. Parteihymne verarbeitet, wie der Verfasser behauptet, oder handelt es sich hier, wie ich es vorgeschlagen habe, um eine in der Agadistenzeit von Gnostikern und sonstigen Sektierern gegen David aus derBibel hervorgebrachte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.